Ein Blog über Magie, Nachhaltigkeit, Tarot und Kunst

Schlagwort: Halloween

Samhain 2020 – ein paar Eindrücke von unserer Feier

Kennt hr dieses komische Gefühl an einem freien Tag nach einem Feiertag? Das Knistern, die Magie des Tages liegt noch in der Luft – besonders, wenn ein Feiertag besonders harmonisch verlief.

Harmonisch heißt bei meiner Familie allerdings selten wie geplant. Ich möchte es hier eigentlich nicht zu lang werden lassen, aber tatsächlich haben wir alles geschafft, was ich geplant hatte – nur der Herbstspaziergang im Familienverbund fiel leider aus – mein Mann hat bei einer dringenden Renovierung mitgeholfen. Dafür hatten wir noch zwei Gäste zum Dinner dabei – spontan umgeplant und aus einem Gang irgendwie 2 Gänge gemacht, damit alle satt werden – aber Feiertage sind immer besser, wenn man sie teilt.

Das soll für dieses Kalenderjahr nun auch der letzte Eintrag zu Samhain sein – für das gerade heute beginnende Hexenjahr kann ich das leider nicht versprechen 😉

Be blessed, Keya

Abbildungen der Karten des „Ätherische Visionen – Das illuminierte Tarot“ mit freundlicher Genehmigung des Königfurt-Urania Verlags, © Königsfurt-Urania Verlag, www.koenigsfurt-urania.com

Allerseelenbrot

Seelenbrot wurde an Halloween in Irland gebacken, um es dann den Armen zu geben. Oftmals wurde eine Scheibe den Ahnen als Opfergabe dargebracht und/ oder draußen den Feen angeboten. Der Rest wurde verteilt, wenn Menschen von Haus zu Haus gingen, um Verse zu rezitieren (was später zum heutigen Trick or Treat wurde).

Die Inspiration zu meinem Rezept stammt aus einem Buch, dass sich an der englischen Tradition der sogenannten Sau’mas- Laibe, die in der früheren englischen Grafschaft Cleveland County gebacken wurden, orientiert. Auch in anderen englischen und schottischen Orten gab es ähnliche Traditionen.

Vor dem Backen

Aber Seelenbrot gibt es nicht nur in Irland- auch in Teilen Deutschlands war es üblich, Backwaren zu Allerseelen herzustellen. In der schwäbischen Küche gibt es die sogenannten Seele (auch schwäbische Seele genannt) – ein längliches Weißbrotgebäck aus Dinkel, außen knusprig, innen weich. Auch hier wird vermutet, dass der Brauch mit Allerseelen zusammenhängt – wer an der Wende vom Herbst zum Winter die armen Seelen verköstigt, der soll im folgenden Jahr durch eine reiche Ernte belohnt werden.

Eine andere Geschichte um die Seelen besagt, ein Bäcker aus Ravensburg habe in der Zeit des 30 jährigen Krieges ein Gelübde abgelegt, jedem Bedürftigen jedes Jahr an Allerseelen ein Brot zu schenken, wenn dafür die Pest an Ravensburg vorbeiginge – aus schwäbischer Sparsamkeit wurden aus Brotlaiben dann eben so eine Art Baguette.

Aber auch in Mexiko gibt es zum Fest der Toten (Dia de Los Muertos, 31.10.-2.11) das Brot der Toten (pan de muerto), ein Hefeteiglaib verziert mit Mustern, die Gebeine darstellen sollen sowie Zuckerfigürchen in Form von Totenköpfen (calaveras de dulce). Aber auch in Italien und Österreich findet man traditionelle Backwaren zu Allerheiligen/ Allerseelen. Spannend, dass es hier in unterschiedlichen Kulturen solche Ähnlichkeiten gibt.

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Hier meine vegane Variante des Aller- Seelenbrot:

Zutaten:

  • 1 Hefewürfel (Fruchtbarkeit und Geld)
  • 250 ml Pflanzendrink Eurer Wahl (ich bevorzuge Hafer oder Dinkel, da heimisch und auch leicht selbst gemacht)
  • 500 g Mehl (Fruchtbarkeit und Geld)
  • 1/2 TL Salz (Schutz)
  • 4 EL Kürbispüree (Fruchtbarkeit)
  • 120g Zucker (Liebe)
  • 1 TL unbehandelte Orangenschalen (Liebe und Geld)
  • 1 TL unbehandelte Zitronenschalen (Schutz)
  • 60 g Alsan oder eine andere pflanzliche Margarine
  • 1/2 TL Mohnsamen (Glück)

Die Hefe in 100 ml des Pflanzendrink verrühren und 120g Mehl hinzugeben. Verkneten und mit Mehl bestäubt gehen lassen, bis die Masse sich verdoppelt hat.

Salz und Kürbispüree hinzugeben und aufschlagen. Dann die Fruchtschalen, den Zucker und die Margarine sowie das restliche Mehl, den restlichen Pflanzendrink hinzugeben und durchkneten – wenn Mehl und Flüssigkeit immer abwechselnd in kleinen Portionen hinzugeben wird, wird die Masse nie zu trocken oder feucht und lässt sich besser kneten.

5-10 Minuten wird der Teig jetzt geknetet. Wenn Ihr mögt, könnt ihr folgenden Segen dabei immer wiederholen:

Segne die Lebenden,
Gedenke der Toten

Das müsst Ihr aber nicht machen, nur wenn Ihr Euch wirklich damit wohlfühlt. Sollte der Teig am Ende klebrig sein, noch ein bisschen Mehl hinzugeben und nochmal kurz Kneten.

Den Teig dann in einer Schüssel an einen warmen Ort stellen und mit einem Tuch abgedeckt aufgehen lassen, bis er wieder doppelte Größe erreicht hat.

In 3 Teile teilen und einen Zopf aus den Strängen flechten. Mit Pflanzendrink bestreiche und mit den Mohnsamen bestreuen. Noch einmal eine halbe Stunde aufgehen lassen und dann bei 180 Grad Ober- Unterhitze 1 Stunde backen.

Das fertige Brot

Wenn ihr mögt, könnt Ihr in der Samhain Nacht auch eine Scheibe des Brotes für die Feen und Naturgeister nach draußen stellen. Viel Spaß beim Backen!

Be Blessed, Keya

Rituale für Samhain mit Kindern

Mutter zu werden hat meine Welt ein wenig auf den Kopf gestellt – hatte man vorher die Balance gefunden, mit der Familie die offiziellen Feiertage und für sich selbst die 8 Jahreskreisfeste zumindest im Kleinen zu begehen, wird das mit Kindern und Vollzeitjob auf einmal schwierig. Ok, ich habe das auch nicht aktiv verfolgt. Nun sitze ich aber seit 6 Monaten im Homeoffice, bin auf einmal in der Mittagspause schnell mit den Hunden im Wald und merke, wie sehr es mir eigentliche gefehlt hat, im Rhythmus der Natur zu leben – somit ist mein Neujahresvorsatz für dieses Samhain, die Feste mit meinem Mann und Kindern anständig zu feiern.

Wer allein Samhain feiert, der findet sicherlich schnell Ideen für kleine Rituale – wie z.B. hier bei Beleniel’s Zaubergarten. Einige der dort gezeigten Ideen kann man natürlich prima mit den Kindern machen – einen Ahnenaltar dekorieren, die Gräber der Verstorbenen besuchen und natürlich den Klassier – einen Kürbis aushöhlen und eine Jack O’Lantern daraus machen. Meine Kindern haben bisher weniger mit Magie und Hexerei zu tun gehabt – der Mann eigentlich noch weniger. Also erst einmal einen sanften Einstieg planen. Das klassische „Dumb Supper“, also ein Abendmahl, bei dem nicht gesprochen wird, fällt eigentlich auch aus – unser Jüngster ist 5 und fängt durch eine Sprachentwicklungsverzögerung jetzt gerade an, so richtig viel zu erzählen.

Gern möchte ich jeden Interessierten einladen, das ein oder andere dieser Liste mit Eurer Familie auszuprobieren, auch wenn ihr selbst auch nichts mit Magie oder Hexerei am Hut habt – nehmt Euch die Zeit, gedenkt Eurer Vorfahren, dafür bleibt in der Regel viel zu wenig Zeit.

1. Walnuss- Schwimmkerzen entzünden

Die Kerzen könnt ihr entweder selbst gießen oder aber auch fertig kaufen. Ich habe natürlich verpeilt, dass ich sie auch hätte kaufen können und habe mir die Materialien einzeln bei Etsy bestellt (Walnusshälften, Teelichtdochte und Rapswachs) – hier gibt es gleich fertige mit Bienenwachs.

Am Samhain Abend braucht ihr dann noch eine große Schale gefüllt mit Wasser (bitte vorsorglich aus Glas/ Keramik und nicht Kunststoff) sowie eine große Kerze, an der ihr die kleinen Walnusskerzen entzünden könnt. Reih um entzündet jeder aus der Familie immer eine Kerze und erzählt zuvor, welchem Verstorbenen er diese Kerze widmet – sowie eine kleine Geschichte, die er mit dem Verstorbenen erlebt hat. Danach wird die Walnusskerze in die Schwimmschale gesetzt. Immer weiter, bis die Schwimmkerzen alle sind oder keine Geschichten mehr übrig sind (ich glaube, man hat meist zu wenig Kerzen).

Schwimm- Kerzen aus Walnuss- Schalen

Ich mag die Idee – sie erinnert mich ein wenig an die Wikingerbeerdigung von Hau-Drauf dem Stoischen in Drachenzähmen leicht gemacht 2. Ich finde es eine so schöne Art, sich gemeinsam an die Lieben zu erinnern, die uns vorausgegangen sind.

2. Macht ein Samhainfeuer

Ihr habt eine Feuerschalte im Garten? Macht ein Samhainfeuer wenn es dunkel ist. Alternativ könnt ihr natürlich auch im Kamin ein Feuer entzünden oder Euch eine besonders schöne, große Kerze kaufen, die ihr in die Mitte Eures Tisches stellt und die dann als Samhainfeuer fungiert.

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3. Das Samhain Glas

Stellt ein Schraubglas für jeden oder aber ein großes für die ganze Familie etwa 1-2 Wochen vor Samhain auf Euren Altar oder eine Stelle, zur der jedes Familienmitglied Zugang hat. Legt einen Stift und kleine Zettel daneben. Jedes Familienmitglied schreibt nun die Dinge auf, die er im neuen Jahreszyklus loslassen möchte – ob es Faulheit beim Mithelfen im Urlaub oder Nicht- zu- hören in der Schule oder auch Stress im Job ist. Die Zettel werden dann an Samhain am Feuer vorgelesen und dann symbolisch im Feuer verbrannt. Wenn ihr das drinnen machen müsst und keinen Kamin habt, dann könnt ihr sie an der Kerze entzünden und in einer feuerfesten Schale mit etwas Sand abbrennen lassen – aber bitte gut lüften.

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4. Backt ein Seelenbrot

Dies ist ein traditionelles Gericht in dieser Zeit – ein veganes Rezept findet ihr hier. Auch wenn sonst der Thermomix die Arbeit übernimmt – nehmt Euch die Zeit und knetet mit den Fingern. Lasst die Kinder helfen und habt eine tolle Zeit gemeinsam in der Küche.

5. Divination

Auch zu Silvester gehört das Bleigießen dazu – Samhain läutet den neuen Jahreszyklus ein, also könnt ihr natürlich einen Blick in die Zukunft wagen. Wenn ihr eine Jack O’Lantern schnitzt, könnt ihr z.B. die Kürbiskerne aufbewahren und sie waschen und dann bei 180-200° 20 Minuten im Backofen trocknen lassen (nach 10 Minuten einmal drehen). Wenn ihr gleich mehr macht, könnt ihr den Rest auch knacken für den Verzehr – aber in paar behaltet ihr in der Schale. Auf diese könnt ihr kleine Symbole einritzen oder mit einem Feinliner aufmalen – Eurer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, entweder nehmt ihr die gängigen Symbole wie Kleeblatt, Hufeisen und was man sonst so von Silvester kennt – oder aber ihr nehmt mehr Kerne und macht Euch damit Runensteine (mit kleinen Kindern sind aber wahrscheinlich die einfachen Symbole die bessere Wahl).

Die Kerne packt ihr in ein kleines, undurchsichtiges Beutelchen. Am Samhain Abend kann dann jeder einen oder mehrere Kerne ziehen und ihr versucht, daraus zu erkennen, wie das kommende Jahr für die Person wird.

DIY Orakel aus Kürbiskernen

Anstatt des Kürbiskernorakels haben wir uns dieses Jahr für ein Orakelkartendeck entschieden. Ich habe es bei Etsy als Printable gekauft und bei onlyprint.de auf festen Karton drucken lassen. Das Deck hat dann insgesamt ca.15 Euro gekostet, kann aber jedes Samhain wieder verwendet werden. Die Orakelkerne werde ich aber mit Runen machen und werde sie auch an Samhain aussprobieren.

So, jetzt erzählt ihr mal – wie feiert ihr? Welche Traditionen gibt es bei Euch und wie bringt ihr diese Euren Kindern näher? Könnt ihr Euch vorstellen, eine der o.g. Ideen auszuprobieren – auch wenn ihr mit Paganismus nichts am Hut habt?

Be blessed, Keya

Anmerkung: mit Rituale in der Überschrift ist bewusst nicht ein vollständiges Ritual im magischen Sinne gemeint – ich wollte bewusst kleine Gesten nennen, die jeder probieren mag. Schutzkreis, Anrufung von Gott, Göttin oder Ahnen könnt ihr bei Bedarf natürlich gern hinzufügen

Samhain – bitte was?

So oder so ähnlich sind die Reaktionen, wenn ich sage, wir (ich und meine Familie dann auch) feiern am 31.10.2020 Samhain (sprich britisch „sawn“ oder amerikanisch „saa·wn“).

So ähnlich reagiere ich aber auch manchmal über die Gerüchte, die gerade von christlichen Freunden kommen, die sich über den „rüberschwappenden Halloween- Trend“ aufregen. Dies Jahr habe ich diesen Blog und da es thematisch passt, kann ich also meine Meinung und Ansichten zu diesem Fest hier aufschreiben – und dann diesen Artikel in etwaigen Facebook- Kommentaren verlinken. Aber alles der Reihe nach. Ich werde mehrere Artikel dazu schreiben, um es nicht zu langatmig werden zu lassen.

Zunächst wäre vielleicht ein Artikel über das Rad des Jahres an sich passend als Einstieg gewesen – reiche ich nach, versprochen. So passt sich das aber auch, denn Samhain beginnt das Rad des Jahres von vorn. Es markiert also für alle, die die Jahreskreisfeste feiern, den Anfang eines neuen Zyklus.

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Die Ursprünge des Festes gehen auf die Kelten zurück – zu den heutigen Bräuchen und Feiern habe ich bereits einen Artikel verfasst. Die Kelten waren eine Volksgruppe in der Antike, die an Hand bekannter archäologischer Funde eine ausgeprägte Kultur und eine hochentwickelte soziale Kultur hatten. Heute denken die meisten bei den Kelten wahrscheinlich an die britischen Inseln, wenn sie gefragt werden, wo die Kelten den lebten. Tatsächlich verbreiteten sich die Kelten in Wanderungen mit der Zeit jedoch auch in ganz Europa und kamen mit den etruskischen, griechische, thrakische, skythischen und germanischen Kulturkreisen sowie mit den Römern in Kontakt. Mit allen genannten Kulturen haben die Kelten offenbar Handel betrieben, wie sich aus archäologischen Funden ableiten lässt. 

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Tatsächlich lässt sich das heutige Halloween, das mehr und mehr aus Amerika zu uns kommt, in seinen Ursprüngen bis zum keltischen Samhain zurückverfolgen. Allerdings sind die heutigen Halloweenbräuche keine kontinuierliche Entwicklung der keltischen Bräuche, denn wir wissen nichts Genaues bzw. sehr wenig über die religiösen Praktiken der Kelten im Detail – dazu kommt ein eigener Beitrag, da ich hier noch versuche, verlässliche Literatur zu bekommen. Eben dies lässt jedoch sehr viel Raum für Spekulationen – Jahr für Jahr werden daher auch in meinem Bekanntenkreis Sharepics geteilt, auf denen vor Halloween gewarnt wird, weil die Kelten Menschen-/Kinderopfer zu Samhain dargebracht haben oder aber Hexen an Halloween ihren satanischen Ritualen frönen. Da wird jetzt soviel in einen Topf geschmissen, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll (und ob man Ostern noch feiern darf).

Des Weiteren sorgen sich viele um die Tradition der Martinsumzüge – in Deutschland gehen Kinder am oder am Wochenende nach dem Martinstag von Tür zu Tür, singen das Martinslied und bekommen dafür Süßigkeiten. Das an Halloween übliche „Trick or Treat“ mutet bei diesen besorgten Mitmenschen als „Erpressung“ an (auch zur Herkunft dieser Tradition in einem weiteren Beitrag mehr). So werden dann Kinder an Halloween wieder weg geschickt mit Verweis auf das Martinsfest, da dies im Gegensatz zu Halloween einen Sinn vermittelt – nämlich gelebte Großzügigkeit. So sehr ich die Kommerzialisierung von Halloween ebenfalls nicht gutheiße – für mich hat es da aber doch einen Sinn. Es hält der Gesellschaft den Spiegel vor. Großzügigkeit heißt: „Bedingslos und freiwillig abgeben“ – und nicht erwarten, dass der Beschenkte sich an auferlegte Regeln hält. Ich kann mich bei der Martinssage nicht erinnern, dass Martin erst gefragt hat, welche Religion der Bettler hatte, dem er ganz großzügig einen halben Mantel abgab (er hatte bestimmt mehrere ganze im Schrank und wahrscheinlich auch eine Decke oder ähnliches dabei, wenn er zu Pferd reiste).

Ich möchte kein Religionsbashing betreiben – aber ihr seht, wenn ihr jemanden befragt, der von außen auf eine Religion sieht, kommt selten ein rein positives Bild dabei raus. Das sollte uns auch bei den Berichten über die Kelten im Gedächtnis bleiben, denn die Berichte über Menschenopfer stammen nicht von den Kelten selbst – sondern wurden z.B. von keinem geringeren als Julius Caesar – das der liebe Julius vielleicht ein wenig übertrieben hat, weil es sich bei den Schriften um Kriegspropaganda handelt, mag sein. Ganz aus der Luft gegriffen haben werden die antiken Autoren ihre Berichte nicht – jedoch beim Werk „De Bello Gallico“ ist nicht einmal sicher, ob Caesar alle Teile selbst geschrieben hat oder jemand im Nachhinein ergänzt hat (im Lateinunterricht habe ich dieses Werk lesen müssen und ich erinnere mich an eine witzige Passage, in der Caesar – so er diesen Part selbst geschrieben hat – Elche beschreibt).

Gibt man „Halloween Kinder“ bei youtube ein, findet man neben Deko- und Verkleidungstipps auch sehr viel Content, der vor Halloween warnt. Das meiste kommt von Accounts, die bereits Kirche im Namen tragen – oder von besorgten Muttis (ich bin auch ab und an eine, wir neigen echt dazu, überzureagieren), die eben auf die Kinderopfer bei den Kelten hinweisen. Als Quelle – Caesars „De Bello Gallico“, Strabon, Diodor und Cicero (man bemerke, alles Römer/ Griechen) und ein Fund bei einer Ausgrabung am „Hill of Ward“, bei dem angeblich ein geopfertes Babyskelett entdeckt wurde – spannend dabei, dass die Archäologen vor Ort sich nicht sicher ist, ob es sich um ein Opfer gehalten hat – denn das Skelett war sorgfältig beerdigt worden, weist keine Anzeichen von Gewalteinwirkung auf und auch sonst gibt es laut diesem Bericht überhaupt wenige archäologische Belege für Menschenopfer – der jüngsten Bericht, den ich dazu gefunden habe, stammt aus 2014 und laut Universität ging die Ausgrabung nur von 2014-2015. Zwar spricht auch der Keltologe Helmut Birkhan von Menschenopfern bei den Kelten – aber wir wissen einfach nicht genug, um diese Praktiken sicher mit Samhain in Verbindung zu bringen.

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Zusätzlich muss man sich ins Gedächtnis rufen – die Kelten waren eine weit verbreitete Volksgruppe und die Römer kamen hauptsächlich in Kontakt mit den Galliern – Halloween entwickelte sich aber im frühen Christentum in Irland und Schottland. Da jeder keltische Stamm ein wenig eigene Bräuche pflegte, lassen sich Berichte über Menschenopfer aus römischer Quelle nicht ohne Weiteres auf die britischen Stämme übertragen – und selbst wenn, die Ursprünge der Halloweenbräuche sind eindeutig christlich, wie hier beschrieben. Somit ist Samhain ein Fest, das vermutlich irgendwann durch Halloween ersetzt wurde – aber außer dem Datum vielleicht doch gar nicht so viel mit Halloween gemeinsam hatte?

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Also, so richtig handfeste Beweise haben weder die Halloween-„Hater“ noch ich gefunden bzw. die Wertung der möglichen Menschenopfer und deren Zusammenhang mit Samhain ist eben davon abhängig, ob man Argumente für oder gegen Samhain/Halloween sucht – wenn wir aber einmal die Bibel betrachten, dann gibt es auch hier Hinweise bzw. konkrete Erzählungen möglicher Menschenopfer. Trotzdem hinterfragen wir ja nicht deswegen alle christlichen Feiertage, oder? Wenn ihr nun interessiert seid, welchen Sinn Samhain nun für heutige heidnische Religionen hat, dann habe ich es versucht, es hier zusammenzufassen. Ich würde mich freuen, wenn ihr danach versteht, warum es für viele von uns wirklich einer der wichtigsten Feiertage im Jahr ist.

Wer sich über den Spuk und Grusel an Halloween beschwert – dieser ist vermutlich durch Vermischung mit dem christlichen Glauben entstanden und war nicht Bestandteil des ursprünglichen Samhain. Die Industrie hat entdeckt, wie gut sich damit Geld machen lässt und der Konsum höhlt den Feiertag aus und lässt ein sinnentlehrtes Spektakel übrig (Anmerkung: passiert in den letzten Jahren aber auch mit Weihnachten, dass zur Konsumschlacht ausartet). Wer jetzt Hexen und „satanische“ Kulte zusammenwirft und Halloween dazu in Beziehung setzt, der schmeißt unterschiedliche Dinge in den Kessel und wundert sich, was dabei raus kommt.

Mein Altar zur Samhain Zeit

Fakt ist, es gibt moderne Hexen – jedoch ist Hexe sein ein spiritueller Pfad, den man geht und völlig unabhängig von einer Religion. Es gibt Hexen (übrigens männlich, weiblich, divers ;)), die dem christlichen Glauben angehören. Daneben gibt es Wicca, eine Religion, die oft mit dem englischen „Witch“ gleichgesetzt wird, was aber aus o.g. Grund nicht ganz korrekt ist. Denn eine Hexe kann jeder beliebigen Religion angehören, aber auch einfach nur die Natur als Ganzheit verstehen oder sogar atheistisch sein. Satan oder der Teufel existiert nur im christlichen Glauben – wer aufgepasst hat weiß, dass es auch Hexen geben kann, die Satan verehren – aber dann gehören sie auch noch nicht zwangsläufig dem (modernen) Satanismus an. Dies ist ein Fakt, den ich bis vor 2 Jahren selbst noch nicht wusste – ich verdanke dieses Wissen einer Neuverfilmung einer Hexe, die meinen bürgerlichen Vornamen trägt.

Anfang November 2018 gab es Schlagzeilen, dass der Satanic Temple Netflix für die Verwendung einer Statue von Baphomet in der Serie „The chilling adventures of Sabrina“ verklagte. Die Statue wird dabei in der klischeehaft dargestellten Kirche der Nacht verwendet, die alle Vorurteile des Satanismus bedient, die wir aus einschlägigen Horrorfilmen kennen. Satanismus war jedoch selten tatsächlich Anbetung von Satan, sondern als Protestbewegung gegen strenge kirchliche Doktrinen des Christentums gemeint. Und auch der 2013 gegründete Satanic Temple glaubt nicht an einen real existierenden Teufel, sondern sieht ihn als Symbol der Freiheit und Individualität – Okkultismus und Esoterik wird sogar von der Bewegung abgelehnt, stattdessen geht es um politischen Aktivismus und ein humanistisches Menschenbild (vgl. hier). Und seitdem schäme ich mich für mein bis zu dieser Erkenntnis wirklich dunkles Bild über Satanismus – niemand ist frei von Vorurteilen, Lektion gelernt.

Da Samhain ja Hexenneujahr ist, ist es auch eine Zeit, über Vorsätze nachzudenken. Ich hätte ein paar Vorschläge für uns alle:

  • Du magst Halloween nicht – macht nichts, der Grinch mag Weihnachten nicht – trotzdem ist es uncool, allen anderen den Spaß zu verderben
  • Seid offen und frei von Vorurteilen – dein Nachbar feiert andere Feiertage als Du? Lass es Dir erklären. Feiert gemeinsam – das Leben ist eh viel zu kurz
  • Du magst einem Kind keine Süßigkeiten geben, weil es am falschen Tag danach fragt? Es ist nicht Dein Kind – Du bist nicht für die Erziehung verantwortlich. Du solltest Dir überlegen, was es über Dich aussagt, wenn Du nichts gibst, weil Du Dich von der Bitte nach Süßigkeiten angegriffen fühlst
  • Recherchiere, bevor Du Dir eine Meinung über andere Religionen bildest – am Besten, indem Du Berichte von Beteiligten liest oder besser noch mit ihnen sprichst. Gerade Autoren mit gegenteiliger Religionszugehörigkeit fällt es oft schwer, objektiv zu berichten
  • Ebenso, wie Du nicht Halloween feiern musst, müssen Traditionen nicht auf Biegen und Brechen aufrecht erhalten werden. Gerade Feiertage erben wir meist von unseren Vorfahren/ Ahnen – verändern sie aber meist selbst ein wenig und geben sie so an unsere Kinder weiter – das ist o.k. Wichtig ist, dass der Feiertag den Feiernden etwas bedeutet – er muss nicht vom Nachbarn verstanden, jedoch akzeptiert werden – ggf. die Feiertage der jeweiligen anderen Kultur zusammen feiern, s.o.
  • Lasst uns alle vor der eigenen Haustür kehren – dann wird es sauberer 🙂

Nochmal – mir geht es nicht darum, irgendeine Kultur oder Religion als überlegen darzustellen. Ich selbst bin evangelisch-lutherisch getauft und nachdem ich als junge Frau aus der Kirche ausgetreten bin sogar vor mehr als 10 Jahren wieder eingetreten – weil ich die Gemeinde in meinem kleinen Wohnort als Bereicherung erlebe. Meine Kinder gehen „St. Martins Singen“ – an Halloween haben sie eh keine Zeit, da feiern wir Samhain. Gern aber auch mit Verkleidung, wenn die Kinder es so wollen. Und wenn ihr einen Feiertag streichen wollt, dann fangt bitte bei den eigenen an – alles andere greift in die Freiheit anderer ein. Macht Euch eine tolle Zeit.

Be blessed, Keya

P.S.

Man steckte sie in Tierfelle und ließ sie von Hunden zerfleischen, man schlug sie ans Kreuz oder zündete sie an und ließ sie nach Einbruch der Dunkelheit als Fackeln brennen.

Tacitus über die Christenverfolgung unter Nero

Während Christen unter Caesar weitestgehend Religionsfreiheit genossen, wurden sie zu späteren Zeiten verfolgt und zum Teil öffentlich hingerichtet oder in öffentlichen Spielen zur Volksbelustigung getötet. Später wurde das Christentum Staatsreligion. Praktiken wie Religionen, Hintrichtungen und Menschenopfer lassen sich also nicht immer einwandfrei einer gesamten Kultur/ Volksgruppe zuordnen, da sie einem stetigen Wandel unterliegen – daher lasst uns aus Fehlern der Vergangenheit lernen, im Hier und Jetzt leben und die Zukunft für uns alles besser gestalten.

Wie aus Samhain Halloween wurde

Halloween ist unter den Feiertagen ja so ein bisschen, wie der Tod im Tarot – von vielen zutiefst missverstanden und deswegen gefürchtet und von denen, die dahinter blicken, innig geliebt. Und von Kindern natürlich geliebt, weil Verkleiden, kontrolliertes Gruseln und Süßigkeiten sammeln natürlich total Spaß machen.

Hier habe ich schon etwas zu den keltischen Ursprüngen von Samhain erzählt und dann die Bedeutung und die Bräuche, die von vielen neupaganen Religionen bis heute gepflegt werden, erklärt. Tatsächlich ist es eines der wichtigsten Feste im Jahreskreis, wenn nicht sogar das wichtigste. Leider ist es in unseren Breitengraden ziemlich befremdlich, den Tod zu feiern. Unsere Gesellschaft hat den Tod tabuisiert und unsichtbar gemacht. Das Sterben wird ausgeklammert und macht daher vielen sehr viel Angst.

Photo by Andrés Gómez on Unsplash

Tatsächlich habe ich jahrelang Probleme gehabt (und habe sie noch, auch wenn es besser wird), den Tod geliebter Personen zu verarbeiten – z.T., weil die Gesellschaft einen zwingt, sofort weiter zu machen, als sei nichts gewesen. Mir hilft diese Zeit im Jahr, mich daran zu erinnern, dass der Tod Teil des Leben ist. Und das geliebte Seelen nie ganz von uns gehen.

Wie in meinem Beitrag über Samhain bereits erwähnt, gehen die Ursprünge des Festes auf die Kelten zurück. Nun gibt es durch die weite Verbreitung der Kelten und deren Leben in Stämmen eigentlich nicht „die Kelten“. ( Wusstet Ihr, das Gallier nur die römische Bezeichnung für einen keltischen Stamm war – genau, Asterix war Kelte). Ebenso ist eine kontinuierliche Entwicklung der Halloweenbräuche aus keltischen Traditionen nicht belegt. Zwar feiern heute die neu-paganen Religionen Samhain als Fest zum Totengedenken, bei den Kelten war Samhain aber eher ein Erntedankfest und der Abschied vom Sommer.

Halloween geht aus irischen Traditionen hervor, also aus den Brauchtümern der „Inselkelten“ in Irland (und vielleicht auch Schottland). Dort haben die Brauchtümer besonders bei der Dorfbevölkerung überlebt und wurden auch noch gefeiert, als das Christentum begann. Früheste Belege, dass die christlichen Organisationen versuchten, solche heidnischen Bräuche abzuschaffen, existieren aus dem 8. Jahrhundert.

Kurzdokumentation von National Geographic

Oft wird darauf verwiesen, das Wort Halloween stamme von „All Hallowes‘ Eve“, dem Abend vor Allerheiligen. Auch das ist umstritten – den ursprünglich war Allerheiligen gar nicht im November, sondern wurde am 13.5. gefeiert – der Tag an dem Papst Bonifatius IV. das römische Pantheon zu einer Kirche zu Ehren der Jungfrau Maria und aller Heiligen weihte. Später weihte Papst Gregor III. eine weitere Kapelle allen Heiligen – am 1. November, der somit in Rom Feiertag für die Heiligen wurde. Dieser wurde erst von Gregor IV. in den römischen Generalkalender übernommen.

Einen Tag nach aller Heiligen wird Allerseelen gefeiert, das auf den Abt Odilo von Cluny zurück geht. Hier gedenken Katholiken ihren verstorbenen Seelen im Fegefeuer, wodurch deren Zeit im Fegefeuer verkürzt werden soll.

Allerheiligen und Halloween

Das der Spuk und Grusel nicht auf keltische Traditionen zurück geht, macht auch Sinn, denn das Konzept des Bösen ist im christlichen Glauben relativ einzigartig. Das Konzept, Seelen nach ihren Taten in Himmel und Hölle aufzuteilen und auch das Büßen im Fegefeuer sowie das Konzept des Teufels ist in anderen Religionen in diesem Umfang nicht üblich. Wenn heidnische Religionen also an Samhain feiern, dass der Schleier zur Anderswelt dünner und somit die Kommunikation mit den Ahnen möglich ist, dann passt das nicht in das christliche Konzept und aus den Seelen der Ahnen werden Zombies und andere Spukgestalten.

Gerade in Irland (und Schottland), die zwar früh christianisiert wurden, aber einen Teil ihrer Mythen und „Aberglauben“ gerade in der Dorfbevölkerung behielten, wurden die Halloweennacht ausgelassen gefeiert. Dort gibt es Überlieferungen, dass Freudenfeuer und Wahrsagerei von den kirchlichen Stellen untersagt wurden, da die Nacht zur Unruhenacht ausartete. Hier in Europa wurden bereits Laternen aus Gemüse geschnitzt – aus Rüben, die erst später in Amerika durch die dort vorhandenen Kürbisse ersetzt wurden.

Photo by Daniel Lincoln on Unsplash

Die sogenannten Jack O’Lanterns gehen der Sage nach auf den Hufschmied Jack Oldflield (Stingy Jack/ Drunk Jack) zurück.

Jack saß in der Dorfkneipe, als der Teufel ihn holen wollte. Er feilschte mit dem Teufel um einen letzten Drink, der Teufel hatte aber keine Münze bei sich und verwandelte sich kurzer Hand selbst in eine Münze – die Jack kurzer Hand in seinen Geldbeutel legte, indem sich auch ein silbernes Kreuz befand – wodurch es dem Teufel nicht möglich war, sich zurück zu verwandeln. Jack handelte darauf hin mit dem Teufel aus, seine Seele solle noch 10 Jahre frei sein, wenn er im Gegenzug den Teufel freiließe.

Nach 10 Jahren gelang es Jack tatsächlich ein weiteres Mal, den Teufel auszutricksen – er bat als Henkersmahlzeit um einen Apfel, worauf der Teufel zum Pflücken einen Baum hinaufkletterte und nicht mehr herunterkam, da Jack diesmal ein Kreuz in den Stamm geschnitzt hatte. Dieses Mal versprach der Teufel, Jacks Seele auf Ewigkeit zu verschonen.

Als Jacks Stündlein geschlagen hatte, wurde ihm der Zutritt ins Himmelreich verwehrt, denn er war nicht gerade ein Vorbild gewesen, da er ja nicht in Angst vor dem Teufel leben musste. Als der sich dann zur Hölle aufmachte, ließ auch der Teufel ihn nicht ein – denn er hatte ja versprochen, Jacks Seele auf Ewigkeit zu verschonen. Doch der Teufel hatte Mitleid mit Jack und gab ihm eine Kohle aus dem Höllenfeuer, den dieser in eine ausgehöhlte Rübe legte, die er als Proviant dabei hatte. So wandert Jacks Seele am Vorabend zu Allerheiligen auf Ewigkeiten durch die Dunkelheit.

Legende der Jack O’Lantern

Daher werden zu Halloween die Kürbislaternen aufgestellt, um Jack den Weg auszuleuchten und Trost zu spenden. Manche sagen auch, das Licht in der Kürbislaterne würde den Teufel fern halten. An dieser Legende wird deutlich, dass die Sage zu christlichen Zeiten entstanden sein muss – denn der Teufel ist ein christliches Konzept.

Eine weitere Tradition, das sogenannte Trick or Treating, wurde ebenfalls bereits in Europa zelebriert, genauso wie die Kostümierungen an Halloween. Es gibt einige Überlieferungen, dass in Irland und Schottland von Haus zu Haus gegangen wurde und Bibelverse im Austausch für Speisen rezitiert wurden (ähnlich des deutschen Brauchs an Sankt Martin) – wenn der Hausbesitzer sich als geizig erwies, wurde auch schon einmal eine schwarze Zukunft vorausgesagt. Dies wurde in Amerika zu Trick or Treat also Süßes, sonst gibt’s Sauers abgekürzt. Ähnlich wie deutsche Bräuche des „Maibaum- Klauens“ sollte es sich dabei natürlich um harmlose Streiche handeln – leider eskalieren solche Streiche dann aber ab und an.

Es bleibt dabei – entweder man liebt Halloween oder man hasst es. Viele sehen aber leider nur die kommerzialisierte Hülle, die nun von Amerika von uns zurück kommt – oder aber, erfahren kleine Hintergrunddetails über die Kelten und dichten viele negative Dinge hinzu. Für mich war Samhain, wie es heute z.B. von den Wicca begangen wird, ein fehlendes Glied in der ganzen Feiertagsreihe. Ich komme aus einer evangelisch geprägten Region – wir feiern alles mögliche, aber haben keinen Tag, an unsere Ahnen zu denken, außer vielleicht Volkstrauertag, der aber eher Gedenktag für Gefallene ist. Halloween war für mich zu Beginn eine Art, mein Samhain mit meinen Freunden verbringen zu können, ohne das diese große Berührungsängste hatten – kostümieren, Süßigkeiten essen und kontrolliert gruseln macht schließlich Spaß.

Photo by Paige Cody on Unsplash

Ein wirklich freudiger Tag war für mich, als der Reformationstag ein Feiertag bei uns in Niedersachsen wurde – so habe ich nun an dem für mich wichtigsten Feiertag frei. Ich freue mich einerseits über wachsende Halloweenbegeisterung – denn sie führt dazu, dass viel mehr Menschen sich mit Samhain beschäftigen (und hoffentlich weiter kommen als bis zu dem gefährlichen Halbwissen über die keltischen Bräuche, hierzu in diesem Post mehr). Durch Information, Austausch und Verständigung passiert soviel Verständigung zwischen verschiedenen Ansichten und Religion, dass es sich positiv für unsere Zukunft auswirkt. Auf der anderen Seite führt die Kommerzialisierung und die Ablehnung dieses „amerikanischen Kram“ zu verhärteten Fronten und zu weiteren Verletzungen durch unsensibles Verhalten.

Bitte bedenkt – Feiertage leben von der Bedeutung für die Feiernden, bitte seid so gut und:

  • tragt keine Kostüme, die Stereotypen bedienen (z.B. Indianer)
  • akzeptiert, dass euer Nachbar andere Feiertage feiert als ihr
  • respektiert gerade Feiertage wie z.B. Samhain für die Neuheiden und den Dia de los Muertos in Mexiko – diese scheinen recht ähnlich/zeitgleich zu Halloween stattzufinden, haben aber gerade für die Feiernden eine sehr tiefe, persönliche Bedeutung

Wie sieht es denn bei Euch aus – Team Halloween oder Team Anti- Halloween? Schreibt gern Eure Beweggründe, Bedenken oder Gedanken dazu in die Kommentare. Wenn ihr feiert – wie feiert ihr dann?

Egal, was ihr in dieser Zeit feiert – macht Euch eine tolle Zeit. Be blessed, Keya

Samhain – Beginn des Jahresrad

Samhain (sprich „Sau-in“) geht auf keltische Traditionen zurück und wird heute von vielen neupaganen Religionen wie Wicca, Heiden oder Druiden gefeiert. Samhain ist das erste der 8 Feste des Jahreskreises und ist das letzte der insgesamt 3 Erntedankfesten im Jahreszyklus.

Es gibt verschiedene überlieferte Daten, an denen die Samhain- Nacht gefeiert werden kann – traditionell wären es der 11. Neumond des Jahres oder aber die Nacht, in der die Sonne 15° Skorpion erreicht – üblicherweise wird Samhain aber in der Nacht vom 31.10. zum 1.11. gefeiert.

Samhain hat je nach Tradition und Region unterschiedliche Namen – so ist es vielen als Halloween bekannt, darüber hinaus finden sich auch noch weitere Bezeichnungen: Drittes Ertnefest, Apfelfest, Samana, Hallowmas, Nacht der Vorfahren, Fest der Toten. Bei den Germanen hieß das vergleichbare Fest Vetrnóttablót, das Winternachtopfer.

Samhain bedeutet Sommerende – die Kelten kannten vermutlich nur 2 Jahreszeiten, Sommer (Beltane-Samhain) und Winter (Samhain-Beltane). Samhain symbolisiert den Abschied vom Gott. Geweiht ist das Fest dem sterbenden Gott (wenn nur mit Gott und Göttin gearbeitet wird) oder aber allen Göttern der Unterwelt und der Erneuerung.

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An Samhain ist der Schleier zur Anderswelt besonders dünn, so dass uns unsere Ahnen, aber auch die Wesen der Anderswelt, Kobolde, Gespenster und Dämonen, besuchen können. In den meisten paganen Religionen werden die Wesen der Anderswelt nicht als böse angesehen, ebenso ist die Anderswelt nicht wie Himmel und Hölle im Christentum zu verstehen, sondern als Ort des Übergangs und der Transformation. Im Wicca wird dieser Ort auch „Summerland“ genannt, der Ort, an den die Seelen gehen zwischen ihren Inkarnationen auf der Welt.

Wir ehren unsere Ahnen an Samhain, indem wir für sie einen Platz decken und diesen frei lassen, denn durch unser Gedenken leben die Verstorbenen weiter. Oft gibt es auch die Tradition des „Dumb Supper“ – das stille Mahl. Hier wird zu Ehren der Verstorbenen nicht während des Essens geredet. An Samhain wird so die Brücke geschlagen – es erinnert uns, dass ohne Tod kein Leben und ohne Abschied kein Wiedersehen möglich wäre.

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Ähnlich der Ofrenda am Dia de Muertos in Mexico können wir zu Ehren unserer Ahnen auch Bilder von ihnen auf unserem Altar oder Schrein aufstellen und mit Efeu (als Symbol für die Ewigkeit) und Chrysanthemen schmücken. Als weiterer Altarschmuck eignen sich Äpfel, Nüsse, Eibenzweige, Maiskolben und buntes Herbstlaub.

Da Samhain den Beginn des neuen Zyklus markiert, ist nun die Zeit, um das vergangene Jahr zu reflektieren – was wurde erreicht, was soll verbessert werden. So kann man z.B. schon in der Zeit vor der Samhain- Nacht alles auf kleine Zettel/ Pergamentstücke schreiben und in einem Glas auf dem Altar sammeln – diese Zettel verbrennt man dann symbolisch in der Samhain Nacht im Feuer oder in einer kleinen Schale.

Ein weiterer Brauch ist, um Mitternacht eine orangefarbene Kerze zu entzünden und diese bis zum Morgen brennen zu lassen – dies soll Glück im neuen Jahr bringen.

Die Dekoration (Kerzen und Bänder) gestalten wir traditionell in den Farben schwarz (Wiedergeburt, Unendlichkeit, Trennung), orange (Hindernisse überwinden, Aufmunterung und Trost) und braun (Sicherheit, Naturmagie). Als Pflanzen eignen sich Eibe, Efeu, Heidekraut sowie späte Früchte wie Äpfel, Kürbis, Nüsse, Vogelbeeren, Schlehen und Holunder und späte Blüten, z.B. Aster, Chryasntheme, Ringelblume, Herbstzeitlose und Disteln.

Das traditionelle Festmahl besteht aus deftigen Speisen wie Kartoffeln, Kohl, Spinat, Maronen, Kürbis und Mais. Oft wird auch ein sogenanntes „Seelenbrot“ gereicht. In Irland gibt es auch die Tradition des Bramback – ein süßer Hefekuchen mit Trockenfrüchten, in den kleine Gegenstände eingebacken werden – diese symbolisieren die Zukunft des Finders, wer z.B. den Ring in seinem Stück hat, wird im folgenden Jahr heiraten. Eine ähnliche Tradition wie das Bleigießen an Silvester. Natürlich geht auch jede andere Divinationstechnik wie Tarot, Runen, Pendeln oder auch das Hexenbrett (für Mutige?) – diese Nacht ist wie gemacht dafür.

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Zum Räuchern eignen sich Wacholder, Zeder, Myrrhe, Zimt, Muskat, Salbei, Heliotrop, Apfel oder Minze. Als Edelsteine können gut Obsidian, Gagat oder Onyx in die Rituale eingebaut werden.

Hier noch ein schönes englischsprachiges Video zu den Unterschieden einer wiccan und keltischen Art, Samhain zu feiern.

Ergänzt gern in den Kommentaren, was Euch zu diesem Fest bewegt. Was sind Eure Rituale zu Samhain? Feiert ihr Samhain, Halloween oder eher nicht?

Be Blessed, Keya

Unboxing – Post von Sauberkunst

Enthält unbezahlte Werbung- so oder so ähnlich muss man eine Empfehlung aus vollem Herzen ja jetzt kennzeichnen.

Wieviel Plastik braucht der Mensch? Ich bin ja der Meinung, sehr wenig und wenn, dann nicht als Einweg. Trotzdem ertappe ich mich immer wieder dabei, aus Bequemlichkeit doch mal wieder herkömmliche Kosmetik zu kaufen.

Inzwischen gibt es aber auch im Drogeriemarkt gerade bei Duschgel und Shampoo schon feste Bars (also in Form eines „Seifenblocks“) zu kaufen. Preislich sind die zum Teil aber nah dran an den kleinen Manufakturen, die dabei dann deutlich mehr Auswahl für verschiedene Hauttypen und haarige Problemchen bieten.

Meine Lieblingsmanufaktur ist seit Jahren Sauberkunst für festes Shampoo, Dusch- und Haarseifen. Festes Deo habe ich bisher bei Wolkenseifen bzw. Vegane Pflege bezogen – dort habe ich das erste mal von festem Deo gehört und daher immer dort bestellt, auch wenn zwischenzeitlich dann auch Sauberkunst Deocremes im Angebot hatte. Daher habe ich dieses Mal zum ersten Mal dort auch Deo bestellt- dazu weiter unten noch mehr.

Kurz zu den Unterschieden – Haarseife besteht aus verseiften Pflanzenölen. Für fettiges Haar sind sie daher oft etwas schwierig in der Handhabung, denn je nach Überfettung der Seife gibt die Seife Fett ab Haar und Haut ab. Zudem kann bei stark kalkhaltigem Wasser ein Film im Haar zurückbleiben- diesem kann durch Spülen mit einer sauren Rinse nach dem Waschen vorgebeugt werden, aber alles in allem bin ich daher kein großer Fan von Haarseifen.

Festes Shampoo hingegen ist Shampoo in gepresster Form, das bereits mit wenig Wasser hergestellt wird. Es schäumt durch das enthaltene milde Tensid und besteht bei Naturkosmetikmanufakturen aus natürlichen Inhaltsstoffen und kommt ebenso wie Haarseife ohne unerwünschte Inhaltsstoffe wie Silikone oder Parabene aus.

Dabei sind diesmal Hautnah& Nessi, weil meine Kopfhaut gerade etwas zickt sowie Froschkönig für fettiges Haar. Hautnah ist für mich eine neue Sorte, aber mit Nessi und dem Froschkönig bekomme ich meine Kopfhaut und das schnelle Nachfetten immer gut in den Griff. Sehr wichtig, da ich gerade meine Haare wachsen lasse. Froschkönig passt zudem sehr gut zu meinem Wohnort – ich wohne am Fuß der Sieben Berge, also quasi wie im Märchen.

Für meine Pflegeroutine benutzte ich seit Jahren die Seife „Merlin“ – ich habe leider leicht fertig und zu Unreinheiten neigende Gesichtshaut, bisher waren konventionelle Reinigungsprodukte entweder austrocknend oder zu aggressiv- oder manchmal auch wirkungslos. Merlin enthält neben Olivenöl, Sheabutter und Aloe Vera zur Pflege auch Pflanzenkohle und Teebaumöl – perfekt für meine Haut.

Statt Creme habe ich in den letzten Jahren 1-2 Tropfen Jojoba-/Arganöl mit Rosmarin- oder Lavendelöl direkt nach der Reinigung auf das noch feuchte Gesicht aufgetragen. Nun gibt es seit einigen Jahren auch schon ein passendes Merlin Gesichtsöl bei Sauberkunst- das habe ich diesmal in der Probegröße mit bestellt. Und ich bin schwer begeistert! Tatsächlich ist die Haut angenehm mattiert und ich brauche keinen Puder mehr – was ich sehr begrüße, denn ich mag mich eigentlich ungern „zukleistern“.

Und nun zum festen Deo – wieso habe ich mich bisher nicht getraut, das bei Sauberkunst zu bestellen? Meine Deo Erfahrungen mit herkömmlichen Drogeriedeos – entweder es hilft und stinkt – oder es hilft nicht, riecht dafür an sich gut nur man stinkt nach ein paar Stunden leider selbst. Quasi also erstmal alle Produkte einmal testen, bis man das optimale Deo für sich gefunden hat. Irgendwie dachte ich wohl, bei Deocreme gibt es auch solche Unterschiede zwischen den Hersteller.

Dabei wirkt Deocreme ja anders als die meisten herkömmlichen Deos. Diese unterdrücken oft das Schwitzen – Deocreme hingegen wirkt (meist) mit Natron und natürlichen Duftstoffen gegen den Geruch, der entsteht, wenn der Schweiß von Bakterien zersetzt wird – denn frischer Schweiß riecht eigentlich gar nicht.

Nun kennen einige von Euch vielleicht die DIY Deocreme aus Kokosöl und Natron. Ähnlich fand ich auch immer die Konsistenz des Wolkenseifendeos – nicht ganz so krümelig aber so ein bisschen Grad vom Natron hat man beim Verteilen schon noch gespürt. Außerdem setzte sich das Deo bzw. das Natron irgendwann im Laufe des Tages in der Hautfalte ab. Was mich nicht gestört hatte bisher, denn das kannte ich auch von herkömmlichen Deos.

Nun haben mich bei Sauberkunst aber genau die natronfreien Varianten angesprochen- und was soll ich sagen, ich bin begeistert. Die Konsistenz ist so wunderbar weich, irgendwie zwischen Vaseline und weichem Honig. Momentan nutze ich das Fräulein Grün und der dezente Duft ist tatsächlich Abends noch zu vernehmen. Ich bin begeistert.

Natürlich habe ich noch 2 Körperseifen geshoppt. Zum einen durfte die „Gärtners Beste“ mit in den Korb. Ich habe sehr oft irritiere Haut und ständig kleine Blessuren durch Zweige beim Gassi gehen oder die Gartenarbeit – und die Beschreibung hörte sich einfach nach mir an:

Gartenarbeit mit Handschuhen ist für dich undenkbar? Du möchtest die frische Erde spüren und siehst nach einem fleißigen Einsatz auch so aus?

Quelle: Sauberkunst

Ich bin ganz gespannt- die Seife hat ein kleines Band durchgefädelt, an der man sie zum Trocknen aufhängen kann – ich schneide mir die 100g Seifenblöcke sonst immer in kleiner Stücke. Die Reste von einem Stück klebe ich dann immer auf das nächste. So brauche ich kein Sisal- Säckchen, die mag ich nämlich nicht besonders.

Und als letztes musste eine Herbstthemenseife mit – „Samhain“. Sie enthält wie Merlin Pflanzenkohle und duftet herrlich nach Orange, Patchouli, Lavendel, Schokolade, Vanille und Weihrauch – wenn das nicht meine Seife ist.

Und natürlich gibt es immer ein kleines Geschenk – diesmal eine Probe des Shea Mousse “Kirschblüte”. Riecht wunderbar, nur benutzte ich solche Produkte selten, freue mich aber immer so sehr über so kleine Aufmerksamkeiten, dass ich sie für einen besonderen Moment aufhebe und dann vergesse. Das soll diesmal aber nicht passieren.

Mein Geschenk- ich liebe Kirschblütenduft

Wie ist Eure Erfahrung mit Plastik freier/ reduzierter Körperpflege? Habt ihr Tipps, Tricks und Must- Haves? Erzählt gern mal in den Kommentaren.

Be Blessed, Keya

Herbstpunsch

Der Herbst ist für mich eine magische Zeit. Seit Kindertagen an ist der Herbst meine Lieblingsjahreszeit. Die bunten Blätter, die letzten Sonnenstrahlen, die die Farben so richtig schön zur Geltung bringen. Spaziergänge im Regen – kennt ihr diesen wunderbaren Geruch, den der Regen hinterlässt (auch Petrichor genannt)? Und nach dem Spaziergang im Regen ein entspannendes Bad bei Kerzenschein oder eine ordentliche Tasse Tee und ein gutes Buch.

Gekrönt wird der Herbst dann von Samhain. Dies Rezept ist ein sehr schönes Rezept um an Samhain, Halloween oder am Erntedankfest anzustoßen – was auch immer ihr feiern möchtet in dieser Jahreszeit.

Das Schönste – der Punsch funktioniert durch den enthaltenen Zimt sowohl als kalter aber auch als warmer Punsch. Ich weiß nicht, wem es sonst noch von Euch so geht- während ich pünktlich zum 1. September in den Startlöchern stehe, den Herbst in vollen Zügen auszukosten, ist es für meinen Mann irgendwie immer noch Spätsommer. Während ich dann schon friere, ist im noch zu warm. Daher ist dieses Rezept ideal für unsere Feiertage im Herbst.

Zudem ist es alkoholfrei und somit auch für Familienfeiern mit kleinen Kindern und werdenden oder stillenden Müttern geeignet.

Ich wünsche Euch einen magischen Herbst. Be blessed, Keya

Zutaten:

  • 250ml Johannisbeersirup (Gesundheit)
  • 1 Liter Apfelsaft (Liebe)
  • 1 TL Zimt (mediale Fähigkeiten)
  • 6 Orangenscheiben (Glück)
  • 1 Liter Ginger Beer oder Gingerale (Erfolg)
  • Eiswürfelbereiter für die kalte Variante

Kalte Variante: Sirup und Saft und mit dem Zimt abschmecken. In jedes Fach des Eiswürfelbereiters ein Stück Orange und mit dem Saft-/ Sirupgemisch auffüllen. Einfrieren. Den restlichen Saft-/ Sirup im Kühlschrank aufbewahren und vor dem Servieren die Eiswürfel und das Ginger Beer oder Ginger Ale hinzufügen.

Warmer Punsch: Alle flüssigen Zutaten zusammengeben und mit Zimt und Orangenscheiben aufkochen. Warm servieren.

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