Ein Blog über Magie, Nachhaltigkeit, Tarot und Kunst

Schlagwort: Ritt auf dem Hexenbesen

Was treibe ich so in den Rauhnächten

Ich bin ein wenig abgetaucht, bitte entschuldigt mich. Eigentlich wollte ich ja noch einen Artikel über die Rauhnächte schreiben, dann hat mich aber Weihnachten und Silvester überrollt. Denn seid meine Oma nicht mehr da ist, sitzt die Familie bei mir an der Tafel, was ich ganz wunderbar finde.

Ich habe mir ein Rauhnachtskarten Set organisiert. Das fand ich wirklich sehr, sehr schön- allerdings habe ich durch den Lockdown wenige der Zutaten da. Also, eine Alraunewurzel gibt es nun wirklich nicht in jedem Supermarkt. Daher arbeite ich ein wenig anders mit dem Deck.

Die Arbeit, die durch das Kartenset inspiriert ist, werde ich dann nächstes Jahr hier genauer vorstellen. Ich sammle gerade erstmal die Inspirationen und schaue, wohin es mich treibt- die richtige Ausarbeitung erfolgt dann nach den Rauhnächten.

Ansonsten habe ich begonnen, noch intensiver mit meinem liebsten Tarot Deck zu arbeiten. Ich habe mir für meine Tarot- und Orakeldecks einen Ordner angelegt, in dem ich für die Decks allgemein sowie für jede Karte eine Seite mit Informationen sammeln kann. Im neuen Jahr wird daraus bestimmt hier eine Serie, wie man mit einem neuen Deck arbeiten kann, um eine tiefe Verbindung zum Deck zu bekommen.

Und natürlich ziehe ich jede Rauhnacht Karten. Dafür nutze ich mein Tarot – welche Einflüsse und welchen Grundcharakter wird der Monat (Anmerkung: jede der Rauhnacht steht für einen Monat des kommenden Jahres, die erste für Januar, die zweite für Februar usw.) haben. Was wird wichtig/ in den Vordergrund treten. Zusätzlich ziehe ich eine Karte aus meinem Isis Orakel. Das ist ein ganz tolles Deck zur Selbstreflexion. Jede Karte bringt Intentionen mit, wie man mehr zu sich selbst finden kann und bringt eine passende Meditation oder Übung mit. Daraus schreibe ich mir sozusagen mein „Self- Care“- Programm für die kommenden 12 Monate zusammen.

Würde es Euch interessieren, wenn ich meine Ergebnisse nach der letzen Rauhnacht hier verblogge und wir am Jahresende mal gemeinsam gucken, was war – und wie es mir so mit den Vorschlägen der Isiskarten ging?

Schreibt mir auch sehr gern, was Ihr vielleicht noch gern hier lesen möchtet. Soll ich die angesprochen Decks einmal vorstellen und rezensieren?

Ich wünsche Euch jetzt erst einmal einen guten Rutsch in ein tolles Jahr 2021. Bei genauerer Reflexion war 2020 nur unbequem, aber brachte doch überraschend viel Gutes. Man musste nur genauer hinsehen und negative Gedanken, die einem zum Teil auch eingepflanzt wurden, erst einmal bei Seite schieben. Be blessed, Keya

Happy Birthday Schröte

Goodbye to you my trusted friend

We’ve known each other since we were nine or ten

Terry Jacks, „Seasons in the Sun“

Ich bin heute einige Tage zu spät, meiner aller besten Freundin, meiner Seelenverwandten zu gratulieren. Das kennt sie leider schon, denn seit ich Mutter geworden bin, ist ihr Tag immer ein wenig vergessen worden, liegt er doch genau zwischen meinem und dem Geburtstag meines Sohnes. Trotzdem war sie all die Jahre da, meine unveränderliche Konstante seit meinem 11. Lebensjahr. Große Parties waren eh nie ihr Ding, ebenso wie sie eigentlich auch zufrieden mit allem (außer Salat!) als besonderen Snack war.

Wieso ich mit einem Zitat aus dem eigentlich recht traurigen Lied „Seasons in the Sun“ beginne – meine liebe Freundin ist Anfang Juni über die Regenbogenbrücke vorausgegangen, nach fast 27 gemeinsamen Jahren. Dieses Jahr hätten wir am 14.11.20 ihren 40. Geburtstag gefeiert, wobei das natürlich nur der Tag war, an dem sie mir geschenkt wurde.

Damals war ich wie gesagt 11 Jahre, sie war 13 Jahre. Und irgendwie war sie daher immer wie meine große Schwester. Ich fühle mich ohne sie ein wenig verloren und das wird wohl eine ganze Weile- oder vielleicht bis ich ihr folgen werde- so bleiben.

Zunächst war die Entscheidung, eine Schildkröte als Haustier haben zu wollen, eine ganz pragmatische: Meine Mutter hatte eine Tierhaarallergie und somit fielen ein Hund oder eine Katze aus. Ich schleppte hartnäckig diverse Sommergäste mit in mein Zimmer, um sie am Ende des Tages dann wieder in die Freiheit zu entlassen. Eine Schildkröte war jedoch eine sehr teure Angelegenheit (Hut ab, in der damaligen Zoohandlung sind wir aus heutiger Sicht sehr gut beraten worden) – und so lautete die Antwort meiner Eltern erst einmal „Nein“. Dann wurde uns jedoch eine Rotwangenschmuckschildkröte geschenkt.

Meine „Chillkröte“

Mit Ankunft meiner Freundin begann nicht nur meine Leidenschaft für Schildkröten an sich – ich fand in der Schildkröte im Allgemeinen mein Krafttier. In den 90ern hatten viele meiner Schulfreunde Schildkröten, aber keiner hatte so einen Draht zu seinen Tieren wie ich zu meiner Freundin. Wann immer ich jemanden zum Reden brauchte, war sie da und manchmal war es, als hörte ich ihre Antwort auf meine Fragen ganz tief in mir drin, wenn ich ihr in die Augen schaute.

Die Schildkröte als Krafttier steht für Schutz, Weisheit, Ruhe, Rückzug und Orientierung. Sie ermahnt, beharrlich zu bleiben, seinen Weg in Ruhe und ohne Ablenkung von Außen zu gehen. Gerade Introvertierten wie mir sagt die Schildkröte: „Trage Deinen Panzer mit Stolz – aber wehre Dich, wenn es Dir zu viel wird“. Krafttiere können je nach Lebenssituation einmal wechseln, ich bin aber der Meinung, jeder Mensch hat ein Krafttier, dass ihn sein Leben lang begleitet und ihm hilft, auch seine Schattenseiten zu lieben und zu nutzen. Und so kam ich zu meinem Namen – Keya heißt der Geist der Schildkröte bei den Lakota, dort ist die Schildkröte Symbol des Lebens und der Langlebigkeit.

Alter jedoch ist bei Schildkröten so eine Sache – mehr als die Hälfte sterben in der Natur direkt nach dem Schlupf und soweit schaffen es meist nicht alle Eier eines Geleges. Wie alt Schildkröten in der Heimtierhaltung werden, ist ganz unterschiedlich. Für die Art meiner Freundin liegen die Altersangaben bei 30-50 Jahre – mit 40 erreichte sie also einen guten Durchschnitt. Man muss bedenken, dass sie die ersten 13 Jahre ihres Lebens aus Unwissenheit und falscher Beratung bei der anderen Familie nicht wirklich artgerecht gehalten wurde (keine Beleuchtung, zu kleines Becken und keine verminderte Aktivitätsphase oder Winterstarre) – und das änderte sich auch bei mir leider erst peut a peut – denn ich sparte mir alle nötige Technik von meinem Taschengeld zusammen.

Am Ende hatte die Gute sogar zwei hervorragende Tierärzte überlebt, die sich mit Schildkröten auskannten. Letzten Dezember bemerkten wir schleichend eine Veränderung an ihr – sie erinnerte uns auf einmal an meine 2 Jahre zuvor verstorbene Großmutter – dieser Ausdruck in den Augen eines Lebewesens, das spürt, dass es bald Zeit ist, weiterzureisen. Alles ging noch, wie es sollte – nur wurde es jeden Tag ein klein wenig langsamer und bedächtiger. Anfang Juni spürten wir, dass eigentlich die Zeit zum Verabschieden gekommen war – und so fuhr ich an einem Freitag mit ihr ein letztes Mal zu einer Tierärztin, eigentlich mit dem Willen, meine Freundin gehen zu lassen. Aber leider wurde mir eingeredet, dass sich da noch was machen ließe – stationäre Aufnahme, Blutbild, Antibiotikum, Röntgenbild – was hätte ich darum gegeben, dass einer der anderen beiden Tierärzte noch verfügbar gewesen wäre.

„Schließlich ist der Tod für den gut vorbereiteten Geist nur das nächste große Abenteuer.“

Albus Dumbledore in „Harry Potter und der Stein der Weisen“ von J.K.Rowling

Meine liebe Freundin schlief in der Nacht des folgenden Samstag im stationären Aufenthalt ein (am Geburtstag meiner Großmutter, was ich ein wenig ironisch finde). Das Blutbild offenbarte dann eigentlich, was ich instinktiv schon wusste – für jedes Lebewesen ist die Zeit irgendwann einmal vorbei. Ich finde es sehr traurig, dass ich nicht bei ihr war in diesem Moment. Damit das jetzt aber nicht eine gar so traurige Geschichte hier wird und weil unsere Lieben ja in den Geschichten über uns weiterleben, hat eine gute Freundin folgende Geschichte über uns geschrieben:

Wie Oskar ein Ei legte

Oskar ist eine 24 Jahre alte Rotwangenschmuckschildkröte. Sie wurde als kleiner Schlüpfling in der Größe eines Fünf-Mark-Stücks mit einem Geschwistertier in einer Zoohandlung gekauft. Bei so kleinen Schildkröten kann man das Geschlecht noch nicht erkennen – daher nannte sie das kleine Mädchen, bei dem sie wohnte, „Oskar“.

Nicht alle Schildkröten werden groß, viele sterben noch ganz klein – so auch leider Oskars Geschwistertier. Aber wenn Schildkröten groß werden, dann werden sie uralt für so kleine Tiere. Rotwangenschmuckschildkröten wie Oskar werden 40 Jahre. Leider kommt vorher jedoch der Zeitpunkt, an dem die Kinder, die sich die Schildkröten wünschten, groß werden und ausziehen. Für die Schildkröte ist dann kein Platz mehr im Leben neben Studium, Ausbildung und Party. Also blieb Oskar bei den Eltern des Mädchens zurück.

Bis am 14.11.1993 auf einmal eine Frau mit einem Mädchen zu Besuch kam. Da war Oskar gerade 13 Jahre. Oskar hörte, dass über sie geredet wurde. Was sie gern mag – Bachflohkrebse, Sonne und im Gras rumlaufen. Das sie dabei auch schon von der Terrasse gefallen ist und sich ein Stück Panzer herausgebrochen hat. Warum interessiert sich das Mädchen denn dafür. Auf einmal hebt das Mädchen Oskar aus ihrem Becken, die Frau, die vermutlich die Mutter des Mädchens ist, nimmt das Becken mit. Es ist nur eine kurze Fahrt mit dem Auto, einmal auf die andere Seite des Dorfes. Die Mutter fragt: „Du sagst, Oskar ist ein Mädchen? Willst Du ihr dann einen anderen Namen geben, Sabrina?“ „Nein, ich möchte auch nicht von jetzt auf gleich anders heißen – sie ist meine Lady Oskar“ „Das ist mir zu lang, ich nenne sie Oskarine“ antwortet die Mutter.

Sabrina heißt also das Mädchen, bei dem Oskar jetzt wohnt. Oskar gefällt es. Das Mädchen scheint sehr allein zu sein, sie bringt kaum Freunde mit nach Hause. Dafür erzählt sie Oskar alles. Manchmal ohne Worte, wenn die beiden zusammen im Garten in der Sonne liegen. Sabrina gibt ihr ganzes Taschengeld dafür aus, Oskar ein größeres Aquarium und eine UV- Lampe zu kaufen. Schildkröten lieben die Sonne und nun muss Oskar nicht mehr auf den Sommer warten. Schildkröten sind nicht sehr zutraulich, aber bei Sabrina macht Oskar eine Ausnahme. Als einmal eine Katze auf sie zukommt, rennt sie einmal durch den gesamten Garten zu Sabrina, anstatt in den Teich zu springen, wie es der Fluchtinstinkt ihr sagt.

So ziehen die Jahre ins Land, Oskar sieht das Mädchen größer werden. Der erste Freund kommt. Innerlich glaubt Oskar schon zu wissen, was kommt – wo sie wohl hinzieht, wenn auch Sabrina geht? Ob wieder ein Mädchen kommt? Nur mit der Mutter wird es vielleicht selbst einer Schildkröte zu langweilig. Nachdem, was Oskar mit Sabrina alles erlebt. Der erste Freund geht wieder, aber Oskar und Sabrina bleiben zusammen. Dann kommt der zweite Freund. Oskar mag ihn nicht. Das zeigt sie ihm auch. Er bleibt trotzdem. Schlimmer noch, Sabrina und er wollen zusammenziehen.

Oskar sieht zu, wie das Kinderzimmer leergeräumt wird. Schildkröten können nicht weinen, auch wenn ihr gerade danach zu Mute ist. Doch Sabrina kommt nochmal ins Zimmer, hebt Oskar aus dem Becken. „Ich habe es Dir versprochen, nie mehr ohne Dich“ flüstert sie Oskar ins Ohr. So zieht Oskar in die Studentenwohnung der Beiden mit ein. Im Sommer 2004 geht es jedoch wieder in den Garten im Elternhaus. Sabrina und ihr Freund wollen mit den Eltern nach Schottland. Oskar soll bei Oma Hannchen bleiben, die auch in Sabrinas Elternhaus wohnt. „In Schottland ist es zu kalt für Dich“ sagt Sabrina zum Abschied „Aber ich grüße Nessie von Dir. Das ist ein Ungeheuer und lebt in einem Teich, wie Du, mein Drachenbaby“. Oskar verdreht die Augen. Sabrina ist doch zwei Jahre jünger, wieso soll sie denn das Baby sein.

Die ersten Tage ohne Sabrina sind komisch. Schildkröten haben soviel Hunger, dass man sie nur alle 2 Tage füttern soll, da sie sich sonst überfressen. Aber Oskar hat keinen Appetit. In Omas Garten ist es großartig und sie freut sich über die Sonne. Jedoch ist ohne Sabrina in der Sonne liegen nicht das Gleiche.

Oma Hannchen ist Sabrina sehr ähnlich. Sie ist genauso introvertiert und versteht ohne Worte, was Oskar beschäftigt. Allerdings kennt sie sich nicht so gut mit Schildkröten aus wie Sabrina. Die erklärt sogar Oskar, was sie falsch macht, denn Sabrina hat jedes Buch über Schildkröten gelesen, dass sie finden konnte. Und Sabrina hat ein eidetisches Gedächtnis und kann die Stellen der Bücher zitieren. Manchmal ist das aber auch nicht so gut, dass Sabrina alles weiß. Denn oft möchte Oskar gern etwas essen, darf das aber nicht. Weil das nicht gut für sie wäre, sagt Sabrina.

Oma Hannchen kümmert das nicht, sie möchte, dass Oskar wieder fröhlich ist. Also geht sie mit Oskar in die Küche und rührt in Schüsseln, erhitzt eine Pfanne und brutzelt etwas. Nach kurzem Abkühlen wirft sie Oskar kleine weiche Streifen ins Aquarium. Oskar macht sich darüber her, die Streifen schmecken sehr lecker. Sie guckt Oma an und Oma Hannchen versteht „Du möchtest mehr, gell?“ Einen ganzen Eierpfannkuchen verdrückt Oskar. „Das war gut, oder? Der Opa Willi und auch Sabrina haben auch immer Eierpfannkuchen von mir gekriegt, wenn sie traurig waren“ Oskar schläft an diesem Abend glücklich ein. Die zwei Wochen bis Sabrina wiederkommt, werden bestimmt nicht so langweilig, wie gedacht.

Doch in der Nacht wacht Oskar auf. Es rumort in ihrem Bauch. Vielleicht hat Sabrina Recht, wenn sie sagt, Schildkröten sollten kein Menschenfutter kriegen. Es drückt und tut weh. Was ist das bloß. Auf einmal ist es vorbei. Oskar schläft wieder ein, nimmt sich aber fest vor, morgen nicht wieder soviel Eierkuchen zu essen, wenn Oma Hannchen welchen macht.

Am nächsten Morgen wird Oskar wach, weil Oma ganz aufgeregt am Telefon spricht: „Der Oskar hat ein Ei gelegt! Ich habe nur Eierpfannkuchen für ihn gekocht und morgens war das Ei da“. Am anderen Ende der Leitung hört Oskar Sabrinas Lachen: „Oma, ich sage Dir doch seit fast zehn Jahren, Oskar ist ein Mädchen. Alles gut, sag ihr, ich bin stolz auf sie und ihr erstes Ei!“ Oskar hört das Lächeln in Sabrinas Stimme. Wer Schildkröten gut kennt, kann das Schmunzeln in Oskars Blick erkennen. Schildkröten sind nicht so teilnahmslos, wie sie auf den ersten Blick erscheinen. Man muss sich nur genauer in sie hineinfühlen.

Wenn mir meine Freundin eins beigebracht hat, dann, dass das Leben weiter geht. Und nachdem sie mir 27 Jahre gezeigt hat, wo es lang geht, bin ich jetzt erwachsen genug, zwei kleine Schlüpflinge in meinem Leben begrüßen zu dürfen – Willkommen Pech und Schwefel.

Schwefel und Pech

So, das war mal ein völlig anderer Beitrag. Aber auch die Beziehung zu Tieren hat ja was Magisches an sich? Was habt ihr für Tiere? Habt ihr Euer Seelentier gefunden? Erzählt mal in den Kommentaren, ich bin gespannt. Be blessed, Keya

Geburtstagslegung

Ich habe Hausarrest – und das an meinem Geburtstag…

Tja, heute ist mein Geburstag. Und wie eigentlich immer dieser Tage – nichts ist wie geplant. Achtung – ich muss mal ganz kurz „Jammern“. Ich bin seit über einem halben Jahr im Homeoffice und verlasse das Haus eigentlich nur alle 2 Wochen zum Einkaufen (in seiner Frühschicht geht mein Mann einkaufen). Zu Beginn habe ich mich gefragt, wie ich als introvertierter Mensch wohl noch Kontakte beschränken könnte – tatsächlich geht da immer noch was. Als sich Entspannung der Lage abzeichnete, freute ich mich, zu meinem 38. Wiegenfest, das nun mal so optimal auf einem Freitag liegt, eine Tea- Party veranstalten.

Da ja aber die Fallzahlen dann wieder stiegen, hatten wir uns überlegt, abends die Kinder an die Großeltern zu vermieten und ins Kino zu gehen – machen wir selten und tatsächlich ist ja Teil 2 des Hexenclubs am 29.10.2020 angelaufen – hätte sich so schön gepasst. Ganz kurz vor meinem Geburtstag wurde uns dann diese Hoffnung auch zu Nichte gemacht.

„Ätherische Visionen – Das illuminierte Tarot“ erschienen bei Königsfurth-Urania

Mein Mann hatte dann noch Spätschicht – zu der er früher fuhr, weil er Stunden nachholen musste, die er durch einen Notfall eine Woche zuvor mit unserem Hund gebraucht hatte. Also hatte ich heute (bis auf telefonischen Elternsprechtag und Gesangunterricht) einen ganz ruhigen Tag, mich mit dem Geburtstagsgeschenk meines Mannes auseinander zu setzen. Mein Mann hatte mir sein Geschenk allerdings schon vor ein paar Wochen überreicht, denn er schafft es meist eh nicht, dicht zu halten.

Ich habe eine kleine Sammlung Lenormand- und Tarotkarten, in Studentenzeiten habe ich sogar mal ganz kurzzeitig bei einer Hotline Erfahrungen sammeln dürfen. Derzeit verstecken sich die Decks aber alle vor mir. Als unser 2. Sohn unterwegs war, mussten wir meine „Hexenkammer“ ausräumen, um dort ein zweites Kinderzimmer zu haben. Die Decks sind ordentlich verpackt in einem Karton – nur finde ich diesen auf dem Dachboden gerade nicht. Sie werden mich wiederfinden, wenn ich sie brauche.

Mein Mann schenkte mir zum Geburtstag das Deck „Ätherische Visionen- Das illuminierte Tarot“ (erschienen beim Königsfurt-Urania Verlag). Ich habe zwar (weil ich das Deck ja schon da hatte), schonmal Tageskarten damit gezogen und auch die Legung an Samhain bereits mit diesem Deck gemacht, heute habe ich mir aber mal die Zeit genommen, eine große Legung für mich anlässlich meines Geburtstags für mich zu machen. Ich bin so verliebt in dieses zauberhafte Deck, ich wollte Euch daran teil haben lassen.

Wie findet Ihr das Deck? Welches sind Eure Lieblings- Kartendecks? Hättet Ihr Interesse an dem Inhalt der Legung?

Be blessed, Keya

P.S. demnächst brauche ich eine größere Decke zum Auslegen – ist ja bald Jul/ Weihnachten

Abbildungen der Karten mit freundlicher Genehmigung des Königfurt-Urania Verlags, © Königsfurt-Urania Verlag, www.koenigsfurt-urania.com

Freifliegend – über mich

Auf der Startseite habe ich alles noch ein wenig wage gelassen – weil ich tatsächlich noch nicht so richtig weiß, wo die Reise (oder der Ritt auf dem Besen) so hingeht.

Ich habe schon oft geblogt, ob für meinen Etsyshop oder dann auch mal über Vintagestyling. Und eigentlich habe ich das aus Zeitgründen alles wieder sein lassen. Und ich frage mich auch jetzt, ob die Welt noch einen Blog braucht- und ich glaube (hoffe) ja.

Wie kam es dazu. Nun, im Gesangunterricht habe ich das Stück „A Living Prayer“ bekannt durch Alison Krauss gesungen. Dieses Lied hat mir sehr aus dem Herzen gesprochen, denn seit meiner Kindheit bin ich schon der Überzeugung, dass Beten nichts bringt, wenn man danach nicht entsprechend sein Leben gestaltet. Nun stellte mir meine Gesanglehrerin die Frage „Bist Du religiös?“

Vielleicht ersetze ich das nochmal durch ein Cover des Liedes von mir 😉

Nein, nicht religiös- jedoch gläubig. Magie und ein ganz bestimmtes Wissen, dass ich nicht in diesem Leben erworben habe, begleiten mich schon mein ganzes Leben. Wer nun denkt „Na toll, noch so eine Esoterik- Tante“ – ja, mein Verstand hat sich das oft gefragt, ob ich in die Esoterik abdrifte. Ich will im Folgenden kurz erklären, wieso das nicht der Fall ist.

Mein ganzes Leben fühle ich mich schon wie ein Beobachter. Selbst wenn ich Teil einer Gruppe bin, gehöre ich nie ganz dazu. Ich habe Erinnerung an meine frühste Kindheit- z.B. meine frühste Erinnerung ist an einen Urlaub in Ostfriesland, als ich 1,5 Jahre war. Mit etwa 6 Jahren fragte ich meine Eltern, ob wir nicht nochmal dahin fahren könnten – gefolgt von einer detailgetreuen Beschreibung der Ferienwohnung, die, so erklärten es sich meine Eltern, von einem Foto stammen würde, da ich mich ja unmöglich erinnern könnte.

Ich war schon immer ein introvertierter Mensch, in Gruppen, aber selbst in einer Freundschaft fällt es mir oft sehr schwer, alle meine Gedanken zu einem Thema überhaupt platzieren zu können. Meist werde ich jedoch intuitiv um Rat gefragt, wenn Freunde Liebeskummer haben – und vergessen, wenn er vorbei ist. Das ist o.k. – manchmal fühle ich mich wie eine Mary Poppins in Liebesdingen (wer hat als Kind auch immer geweint, wenn Mary melancholisch der Banks Familie hinterher sieht und begreift, dass es Zeit für sie ist, weiterzugehen, da sie nicht mehr gebraucht wird?)*

That’s the real magic, helping other people.

Cassie Nightingale, „The Good Witch“

Meine Mutter war sehr christlich und erzählte mir viel vom lieben Gott – der eigentlich den ganzen Tag wegen Kleinigkeiten auf mich böse war. Irgendwie begriff ich sowieso recht früh, dass die Bibel ein Buch zwar von Gott handelt, aber von Menschen für Menschen geschrieben wurde. Daher war es für mich nicht von der Allgemeingültigkeit mit der heute Menschen einzelne Passagen daraus zitieren, um das Leben anderer in Frage zu stellen. Grundsätzlich gefällt mir das Konzept der Nächstenliebe, offenbar hat es aber noch nicht der letzte verstanden.

Ich habe immer an das Göttliche geglaubt – für mich war es aber immer größer als ein einzelnes Bildnis einer einzelnen Gottheit. Für mich war das Göttliche das Universum- mit all den Erklärungen der Wissenschaft und all den Mysterien, die die Wissenschaft (noch) nicht erklären kann. Alle Gottheiten sind wie kleine Mosaiksteine in diesem großen Ganzen – sie zeigen einen Teilaspekt einer großen Kraft, die wir nie ganz erfassen können – im Gegenteil, wir sind auch kleine Mosaiksteine des großen Ganzen.

Photo by Hanny Naibaho on Unsplash

Mit 11 Jahren baute ich mir meinen ersten Altar im Zimmer. Als Kraftort, als Rückzugsort, wenn mich die Welt wieder überfordert. Zunächst mit christlichen Symbolen, da meine Familie sehr christlich geprägt war – bis heute bin ich selbst noch ein Mitglied der Gemeinde hier im Ort und habe auch meine Kinder bewusst taufen lassen. Ich begreife die Gemeinde als Institution des Miteinander hier vor Ort.

Kurz vor meiner Konfirmation wurde mein Bruder Buddhist. Meine Mutter war am Boden zerstört und konnte das nicht verstehen. Grundsätzlich habe ich gespürt, wieviel Kraft meine Eltern für die Probleme meiner deutlich älteren Brüder aufbringen müssen und war daher ein sehr ruhiges, „erwachsenes“ Kind. Ich wusste, welche Ansichten ich einfach lieber für mich behalten, um meine Mutter nicht zusätzlich zu beunruhigen. Parallel erfuhr ich durch meinen Bruder sehr viel über den Buddhismus, ging auch selbst einige Male ins Buddhistische Kloster, um mehr zu erfahren und dort auch selbst zu meditieren. Noch heute ziert ein kleiner Buddha, den mein Bruder mir schenkte, meinen Altar.

Meine Buddha Figur

Was ich nicht verstand, war, dass mein Bruder den Finger noch so in die Wunde legen musste – er ging zwar Weihnachten mit in die Kirche und sang inbrünstig „Oh Du Fröhliche mit“, ließ aber dann das Wort „Christenheit“ demonstrativ aus. Ich war schon immer der Meinung „When you’re in Rome, do as the Romans do“ – bis heute spreche ich das „Vater unser“ aus Respekt mit, wenn ich einen christlichen Gottesdienst besuche. Ich fand einfach, dass mein Bruder sich wie ein Teenie benimmt, um gegen meine Mutter zu rebellieren – immerhin war ich der Teenie und er Ende seiner 20er.

Ich nahm daher die ganze Konfirmationssache sehr ernst, obwohl ich dann auf meine Weise rebellierte. Mein Bruder fragte mich immer, wie denn Gott für mich aussähe – und sagte, man könne nicht glauben, ohne ein konkretes Bild vor Augen. Daher weigerte ich mich, ein Konfirmationsspruch aus der Bibel zu wählen – ich wollte etwas, das zu mir passt und das meine Ansicht repräsentierte. Ich hatte kurz zuvor den Roman „Das Geheimnis der weißen Mönche“ von Rainer M. Schröder gelesen und dort meinen Spruch gefunden. Ich bin meinem Pastor so dankbar, dass er nicht einfach abgelehnt hat, sondern sagte, ich solle ihm den Spruch nennen und ihn überzeugen, warum das der richtige Spruch sei. Mein Konfirmationsspruch lautete also:

Zum Glauben gehört eben immer auch das Ringen mit Gott, dem unfassbaren, scheinbar stummen, schattenhaften Gott. Denn wäre Gott für uns Menschen zu fassen oder zu erklären, so wäre er nicht Gott, sondern bestenfalls ein billiger Götze.

Rainer M. Schröder, „Das Geheimnis der weißen Mönche“

Nach meiner Konfirmation trug ich lange mein silbernes Kreuz (ich bekam ein goldenes Kreuz von meiner Patentante geschenkt, dass ich als echtes Mondkind in Silber umtauschen musste). Grundsätzlich fehlte mir aber immer etwas im christlichen Glauben und ich fühlte mich nie ganz zu Hause. Ich war an Hexenverfolgung und den geschichtlichen Hergängen interessiert, war froh, dass meine Eltern wenigstens evangelisch waren, denn ich verstehe bis heute nicht, warum Frauen in der katholischen Kirche scheinbar klein gehalten werden. Ich verstehe heute, dass ich das nur für mich beurteilen kann, dass ich es nicht akzeptieren kann – für andere aber aus ganz persönlichen Gründen ein Austritt eben keine Option ist.

Ich fühlte mich also zeitgleich wohl mit der Kirche heute als auch wütend auf die Ansichten der Kirche in der Vergangenheit. Zeitgleich fehlte mir etwas, was ich nicht näher definieren konnte. Als ich dann nach Hannover zum Studieren zog, fand ich mich immer öfter in einer auf Spiritualität und Glauben ausgerichteten Bücherei wieder. Irgendwann kam dann ein Buch über Wicca mit nach Hause. Und beim Durchlesen fühlte ich mich, als käme ich nach Hause. Mein Altar änderte sich in der Folge optisch ein wenig, ich richtete ihn mehr auf die weibliche Energie aus und stattete ihn mit Pentagrammen aus. Auch das Kreuz um meinen Hals wich dann für Jahre einem Pentagramm.

Photo by Viva Luna Studios on Unsplash

Wenn ich auf die folgenden Jahre zurückblicke, verstehe ich meinen Bruder bei seinem Prozess viel besser. Denn wenn man anfängt sich abzunabeln, dann beginnt man erst einmal damit, sich vom Alten zu distanzieren. Die ersten Bücher, die ich über Wicca las, waren auch sehr negativ gegenüber der christlichen Religion – was ich heute als absolut unpassend empfinde, da Wicca eine der positivsten Religionen im Umgang mit anderen Religionen sein sollte. Meinem Ich in den 20ern kam dieser Ton aber gerade recht, obwohl ich wohl auch bemerkte, dass bei historischen Fakten oftmals dazu gedichtet oder übertrieben wurde. Für einige Jahre trat ich dann aus der Kirche aus (weil auf dem Standesamt auch keiner etwas über die Möglichkeit der Umpfarrung erzählt, dann wäre meine Entscheidung vermutlich damals schon eine andere gewesen).

Mein heutiges Ich ist viel versöhnlicher – ich bin vor Geburt meines ersten Sohnes wieder in die Kirche eingetreten, habe mich aber umpfarren lassen – d.h. egal, wohin ich gehe, meine Kirchensteuer geht an meine Heimatgemeinde. Dort fühle ich mich zu Hause – vom Ort und von den Menschen her. Auf Facebook bin ich Wicca – in Amerika eine anerkannte Religion und meinen eigenen Überzeugungen in so vielen Teilen vermutlich ähnlich, dass ich mich wahrscheinlich tatsächlich als Wicca bezeichnen kann. Tatsächlich nenne ich mich selbst aber Hexe – Wicca muss man länger erklären als Hexe, da können sich die Leute was drunter vorstellen (und manchmal sind damit auch Nachfragen vom Tisch). Zusätzlich ist Hexe wiederum mehr, als nur eine Religionsbezeichnung. Ich glaube, dass im Grunde alle Religionen (auch Atheismus) die große Wahrheit nur von einer anderen Seite beleuchten und wir im Kern einander respektieren und annehmen sollten – das ist der wirklich wahre Sinn des Lebens, dies zu lernen ohne anderen die eigenen Überzeugungen überstülpen zu wollen.

Und da schließt sich der Kreis zur Esoterik – den Begriff betrachte ich skeptisch. Klar, Bücher über Hexenkunst finden sich in der Esoterik- Ecke. Esoterik bedeutet ja, dass ein Wissen nur einem inneren Personenkreis zugänglich ist – und damit öffnet der Begriff Tür und Tor für alle möglichen „Seelenfänger“, die Menschen gezielt von ihren Lehren abhängig machen. Schon immer war mir klar – meinen Weg kann ich nur allein gestalten, es gibt hier und da Menschen oder Seelen, die mich wieder in die Spur bringen – aber ich treffe die Entscheidungen und muss die Erkenntnisse erlangen. Und nicht einem Guru immer wieder Geld zahlen, damit er mir die Karte für das nächste Wegstück mitgibt. Von daher bin ich froh, wenn die Freunde, denen ich über einen Verlust oder eine Trennung hinweg geholfen habe, irgendwann wieder vergessen und weiter ziehen – dann weiß ich, ich habe alles richtig gemacht.

So begreife ich dann auch alternative Medizin nicht als tatsächliche Alternative – die Begegnung mit dem Buddhismus hat mir verinnerlicht, dass es immer auf das richtige Maß ankommt. Normale Erkältung – kann ich mit zum Arzt, muss aber nicht unbedingt. Krank – ab zum Arzt, Medikamente geben lassen – mein Kräuter Wissen kann ich dann als Ergänzung nutzen. Schulmedizin und Naturmedizin sollten mehr miteinander arbeiten und sich nicht als Entweder/ Oder ausschließen. Und so möchte ich auch nicht in den Sumpf der Corona- Leugner mit einbezogen werden – ich stehe gerade da und bin erschüttert, wie viele meiner „alternativen“ Freunde gerade völlig assoziales Verhalten an den Tag legen. „Die Maske schützt andere, nicht mich? – Dann brauche ich sie ja nicht tragen. „ Mir fehlt dafür jegliches Verständnis- klar ist ein Schnutenpulli unangenehm, aber wenn die derzeitige Erkenntnis dies als beste Maßnahme erachtet, dann ist es derzeit einfach angebracht, mit dem Tragen der Maske seine Solidarität zu zeigen.

Ich derweil freue mich, dass Mutter Natur uns mal auf unsere Zimmer geschickt hat zum Nachdenken. Und das wir so viele Wissenschaftler und mutige Entscheidungsträger haben, so dass die Pandemie effektiv eingedämmt werden kann. Eines der Hexengesetze lautet nämlich: „Wende Dein Wissen weise an“.

Man darf anderer Meinung sein – aber wenn diese Meinung gefährlich für andere ist, eckt man damit eben an. Meinungsfreiheit bedeutet, seine Meinung aussprechen zu dürfen – nicht, dass diese auch von allen bestätigt werden muss. Und – es gibt keine alternativen Fakten. Sehr schön hat das Mailab hier erklärt (und ich fasse auch nicht, dass ich ein Video teile, für das der Wendler Inspiration war).

Meinungsfreiheit – gut erklärt 🙂

Was kann ich am Ende eines so langen Eintrags über mich noch sagen. Vielen Dank an alle, die bis hierher gelesen haben. So viel geschrieben und gefühlt noch so wenig erzählt – ich denke, hier wird noch mehr folgen. Habt Ihr Fragen oder Wünsche, über welchen Aspekt ich genau schreiben soll? Bleibt alle gesund und macht das beste aus dem kosmischen Hausarrest 😉

In diesem Sinne, be blessed, Keya

* Nein, ich halte mich nicht für „praktisch perfekt in jeder Hinsicht“ (eher oft genau das Gegenteil) – aber ich fühle mich genauso unnahbar wie die von Julie Andrews so wundervoll porträtierte Mary Poppins aus dem Jahr 1964. Und irgendwie war es in den letzten Jahren oft meine Aufgabe, Menschen wieder auf die Spur zu bringen und Ihnen dann nachzusehen, während sie mich vergessen.

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