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Schlagwort: Christentum

Jul- Rituale mit Kindern

Mich hat dieses Jahr ja komplett durcheinander gebracht. Erst habe ich mich geärgert, dass Jul nicht in meinem magischen Kalender steht – um dann zu bemerken, dass ich es einfach mal für den 21.11. eingetragen hatte. Dann habe ich gestern, am 19.12. meinen Altar fertig dekoriert (ohne ein passendes Altardeckchen, denn das habe ich noch nicht fertig stellen können) und alles für mein Ritual bereit gestellt. Da ich kein eigenes Zimmer habe, steht mein Altar nämlich im Wohnzimmer und wenn die Jahreskreisfeste auf ein Wochenende fallen, dann stehe ich ganz früh auf, um ein wenig Zeit für mein Ritual zu haben – wenn meine 3 Langschläfer dann wach werden, kommt der Familienteil des Festes.

Ein Blick auf den Kalender ließ mich dann stutzig werden – da war ich doch glatt einen Tag zu früh dran. Und ich habe mich schon geärgert, dass ich nicht so viel zum Fest schreiben konnte dieses Jahr – gut, für die kommenden Jahre sollen ja auch noch Themen bleiben, aber gut. Wenigstens habe ich dann heute noch Zeit für diesen Beitrag. Und ein Rezept für einen Last- Minute- Braten.

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Über die Bedeutung und die Herkunft des Julfest habe ich hier schon geschrieben. Viele Bräuche können daher von den bekannten Weihnachtsbräuchen übernommen werden – denn die Feste sind von der Bedeutung her sehr ähnlich bzw. vermutlich wurde Weihnachten auf diesen Termin gelegt, um dem christlichen Glauben eine Akzeptanz bei den heidnischen Völkern zu verschaffen. Es geht also um die Wiederkehr/ Wiedergeburt des Lichts in der Dunkelheit sowie Schutz und Segen für die Familie. Mit Ritualen meine ich kleine Aktivitäten mit Kindern, die den Sinn und die Bedeutung des Festes den kleinsten näher bringen – bewusst ist kein komplettes Ritual im magischen Sinne gemeint, wer will, kann die Aktivitäten aber natürlich in ein magisches Ritual einbinden. Ebenso lassen sich diese Aktivitäten natürlich auch für das Weihnachtsfest nutzen – wer sich angesprochen fühlt, darf es probieren, ganz unabhängig von persönlichen Glaubensvorstellungen. Gerade in diesem Jahr wird das Weihnachtsfest für so viele von uns so anders, vielleicht hilft Euch die ein oder andere Idee, das Fest trotz der Einschränkungen schön zu gestalten.

1. Weihnachts-/ Julkarten schreiben (und magisch aufladen)

Setzt Euch hin, schreibt von Hand Weihnachtskarten (oder Julkarten, wenn Eure Lieben auch pagane Feste feiern, ich versende Weihnachtskarten) an Verwandte, Freunde und Bekannte. Gern könnt Ihr auch Blanko- Karten im Bastelbedarf verwenden und diese von Euren Kindern gestalten lassen. Ältere Kinder können auch schon die ein oder andere Karte selbst schreiben. Bemalt, beklebt den Umschlag, wie Ihr möchtet – macht anderen eine Freude mit einer schön dekorierten Weihnachtskarte. Ich persönlich versiegele Weihnachtspost z.B. immer noch mit Siegelwachs. Allein sich einmal bewusst die Zeit dazu nehmen, Wünsche von Hand zu Papier zu bringen, hat in den heutigen Zeiten schon etwas Magisches. Überlegt Euch beim Schreiben der Karte, welche Wünsche Ihr der Person mit senden wollt. Sprecht auch mit Euren Kindern, was sich diese für die Person wünschen – für den Onkel, der in diesem Jahr vielleicht leider seinen Job verloren hat, kann das z.B. der Wunsch nach einem neuen Job sein. Ihr werdet erstaunt sein, wie feinfühlig Kinder dafür sind, was wir Erwachsenen tatsächlich brauchen. Wenn Euch das Folgende zu esoterisch ist, schickt die Karten so ab.

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Ansonsten könnt Ihr die Karten vor dem Versenden mit guten Wünschen wie Gesundheit, Erfolg oder Liebe aufladen. Das könnt ihr auf verschiedene Arten machen. Haltet die Karten in der Hand oder, wenn Ihr alle gleichzeitig mitmachen wollt, haltet Eure Hände über die Karte. Fokussiert Eure Gedanken auf die Wünsche und visualisiert, wie diese Wünsche auf die Karte übergehen. Das macht Ihr so lange, bis Ihr das Gefühl habt, die Karten sind aufgeladen – dass kann sich z.B. durch ein warmes oder kribbelndes Gefühl in der Handfläche zeigen. Ihr könnt auch ein Räucherstäbchen anzünden und die Karte in den Rauch halten (Achtung, nicht zu nah am Stäbchen, sonst habt Ihr Ruß- Schlieren auf dem Umschlag) und Euch dabei vorstellen, wie Eure Wünsche auf die Karte übergehen. Das ganze funktioniert übrigens auch mit Geschenken, die Ihr an Weihnachten verschenken wollt.

2. Schmuck für den Weihnachts-/ Julbaum basteln oder backen

Ein Teil meiner Familie kommt aus Hannover, dort gab es vor dem zweiten Weltkrieg die Tradition der sogenannten Hitje-Puppen – diese werden aus einem weichen, weißen Pfefferkuchenteig hergestellt und sind nach der Verarbeitung unverderblich, so dass sie über Generationen als Baumschmuck dienen können. Heute werden sie nur noch von der Bäckerei Bochers in aufwändiger Handarbeit hergestellt. Obwohl ich den hannoverschen Teil meines Stammbaums bis 1870 zurückverfolgen kann, habe ich erst letztes Jahr von dieser Tradition erfahren.

Aus meiner Kindheit kenne ich aber auch noch selbstgemachten Baumschmuck, z.B. Stroh- oder Papiersterne oder Puppen. Und natürlich kennt man von Weihnachtsmärkten die Lebkuchenherzen, die ähnlich wie die Hitjepuppen quasi unverderblich sind. In meiner Kindheit haben sich die Kinder meines Dorfes tatsächlich auch getroffen, um Lebkuchenmänner als Baumschmuck zu backen. Allerdings war Verderben meist nicht das Problem bei diesen Lebkuchenmännern – am Ende der Weihnachtszeit durften sie beim „Baum plündern“ natürlich gegessen werden. Neben meinem Elternhaus wohnte ein alte Dame, ein Urgestein unserer Region, die ihren Baum tatsächlich nur mit diesen selbstgemachten Dingen, Äpfeln und Kerzen schmückte – beim Plündern durfte ich dann immer dabei sein und mitnehmen, soviel in meine Taschen passte.

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Wenn Ihr haltbaren Familienschmuck zum Vererben herstellen möchtet, dann kann ich Euch zu einer anderen Variante raten – Salzteig. Für einen einfachen Salzteig 2 Tassen Mehl, 1 Tasse Wasser und eine Tasse Salz vermengen. Der Teig sollte nach dem Kneten nicht kleben, ggf. noch etwas Mehl hinzufügen. Nun könnt Ihr den Teig ausrollen und mit Ausstechformen Schmuck herstellen oder mit dem Teig modellieren. Wenn der Teig zum Modellieren geschmeidiger sein soll, kann man bis zu 2 EL Öl zur oben genannten Mischung hinzugefügt werden. Mit Lebensmittelfarbe oder aber Gewürzen wie Kurkuma könnt Ihr den Teig auch vorher einfärben.

Löcher für die Aufhängung solltet Ihr vorher durch den Schmuck bohren, hinterher geht das nicht mehr ohne das Kunstwerk zu zerstören. Energiesparend ist es, wenn Ihr Euren Schmuck an einem warmen Ort lufttrocknen lasst. Soll es schneller gehen, könnt ihr den Teig im Backofen trocknen – die ersten 30 Minuten 60° Grad, weitere 30 Minuten bei 100° und weitere 2 Stunden bei 120° Celsius. Achtung – Salzteig mag keine große Hitze. Fertig ist das Ganze, wenn die Mitte der Unterseite auch trocken ist. Nach dem Trocknen kann Salzteig auch noch bemalt werden. Auf jeden Fall solltet Ihr am Ende eine Schicht Klarlack auftragen – denn sonst würde der Teig auf Dauer Feuchtigkeit aus der Luft ziehen, was der Haltbarkeit nicht zuträglich ist.

Typische Formen für Julschmuck sind übrigens Rentiere/ Rehe (ihr Geweih ist Symbol für den gehörnten Gott in den paganen Religionen) oder runde Formen, da Jul ja Rad bedeutet und die Wiedergeburt und einen neuen Zyklus ankündigt.

3. Baut ein Lebkuchenhaus mit Euren Kindern

Ihr habt Baumschmuck und wollt keinen Salzteig oder Papiersterne am Baum – aber was anderes als das normale Weihnachtsplätzchen backen veranstalten? Dann baut ein Lebkuchenhaus. Meine Patentante, die eine Kräuterhexe ist, hat jedes Jahr ein Hexenhaus für ihre beiden Töchter und eins für mich gemacht. Wir Kinder durften es dann nach Herzenslust mit Süßkram verzieren. Genascht haben wir dann wirklich sehr dosiert über die Weihnachtstage – denn im Gegensatz zum Weihnachtsteller ist der Verzehr eines solchen Hauses mit „Arbeit“ verbunden.

Und wenn Ihr (so wie ich meistens) so richtig viel um die Ohren habt in der Weihnachtszeit – die Häuser gibt es schon als Fertigbausatz (sozusagen ein Fertig-Hexenhaus). Meine Jungs fanden Häuser nicht so spannend, daher hatten wir im letzten Jahr eine Eisenbahn.

Unsere Lebkucheneisenbahn

4. Wintervogelfutter herstellen

Wir feiern die Jahreskreisfeste, um uns mit der Natur um uns herum wieder zu verbinden. Jul ist das Fest des Gebens, aber dies sollte man nicht nur auf seine eigene Familie beziehen. Während unserer magischen Rituale opfern wir den Göttern und Naturgeistern – mit Kindern kann man dies ganz praktisch tun, indem man Vogelfutter selbst herstellt. Fertiges Fettfutter ist meist nicht wirklich ausgewogen.

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Wildvögel kann man übrigens das ganze Jahr über füttern – natürlich hört man hier und da Meinungen, dass man dies nicht tun sollte, aber durch den Wandel in der Landwirtschaft finden die meisten körnerfressenden Arten oft das ganze Jahr über nicht mehr genug Nahrung. Besonders im Winter sollte man aber füttern, so man die Möglichkeit dazu hat. Achtung – gerade auf dem Balkon einer Mietwohnung ist es manchmal nicht erwünscht, dass Vögel gefüttert werden.

Eine Anleitung für Vogelfutter findet Ihr beim NABU, dort findet Ihr auch Tipps, welche Körner und Zutaten sich eignen – vielleicht könnt Ihr das Futter individuell auf die Vögel, die in Eurer Region heimisch sind, abstimmen. Ebenso findet Ihr da auch Anleitungen zur Einrichtung einer Futterstelle.

Mit dieser Aktivität gebt Ihr nicht nur der Natur etwas zurück, Ihr könnt auch den Winter über gemeinsam mit Euren Kindern die Vögel beobachten.

5. Ein Jul- Block gestalten

Der Julblock ist ein Brauch aus vorchristlicher Zeit, der in einigen Regionen sogar als Christklotz im christlichen Glauben verbreitet ist. Dies war ein großer Scheit aus Eichen- oder Eschenholz, der am Julfest bzw. später am Heiligen Abend im Kamin verbrannt wurde und nach Möglichkeit mindestens 12 Stunden brennen sollte. An diesem Feuer wurden alle Lichter der Hauses neu entzündet, als Symbol der Rückkehr des Lichtes. Es sollte Segen bringen, wenn der Klotz oder zumindest das Feuer für die folgenden 12 Rauhnächte am Brennen gehalten wurde. Die Asche wurde hinterher auf den Feldern verteilt und ins Tierfutter gemischt.

Nun hat nicht jeder das Glück, einen Kamin sein eigen zu nennen und viele moderen Kaminöfen würden einen so großen Scheit gar nicht fassen. Daher könnt Ihr die Tradition abwandeln, in dem Ihr einen dekorativen Holzscheit mit Kerzenhaltern bestückt und Ihn mit immergrünen Zweigen und Naturmaterialien schmückt. Diese könnt Ihr mit Euren Kindern auch selbst im Garten oder Wald sammeln, wie z.B. Tannenzapfen. So habt ihr eine tolle pagane Tischdeko – wenn Ihr 4 Kerzen nutzt, könnt Ihr das ganze auch als Adventskranz nutzen.

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Beim Recherchieren bin ich übrigens auf eine andere, sehr kreative Variante gestoßen – Ihr könnt auch einen Kuchen in Stammform backen und mit Kerzen schmücken – wenn Ihr vielleicht noch einen Geburtstag in dieser Zeit habt, wäre das doch ein tolles Crossover.

6. Musiziert oder lest Geschichten vor

Singt und musiziert mit Euren Kindern. Es geht in erster Linie ums Gefühl und das Zusammensingen, nicht um die richtigen Töne (ist ja kein Casting) – versucht es einfach. Wenn ihr kein Instrument spielt, wie wäre es mit Instrumenten, die man intuitiv spielen kann, wie eine Handpan oder eine Kalimba?

Wenn das nichts ist, lest Geschichten vor – passend zum Jul wäre beispielsweise “Frau Holle” (die Göttin Holle diente wohl als Vorlage für die Figur der Frau Holle). Ansonsten gibt es vielleicht Sagen/ Legenden aus Eurer Region, die man kuscheligen Stunden gemeinsam entdecken kann. Ein etwas weihnachtlicherer Vorschlag wären die Geschichten aus „Wirklich wahre Weihnachtsgeschichten“ von Margret Rettich. In den Geschichten geht es um die zwischenmenschlichen Dinge rund um die Feiertage- mal lustig, mal traurig und mal nachdenklich.

Erzählt mal, was Ihr feiert und wie Ihr feiert? Was macht Ihr mit Euren Kindern – oder was habt Ihr als Kinder gern gemacht. Hattet Ihr früher eine Aktivität, die zu dieser Zeit gehörte? Bleibt bitte gesund und macht Euch eine schöne Zeit, trotz aller widrigen Umstände. Be blessed, Keya

Das Julfest – die dunkelste Nacht des Jahres

Nach Samhain ist das nächste Fest im Jahreskreis das Julfest oder Jul. Oft sieht man auch die Schreibweise Yule – besonders im englischsprachigen Raum und dort auch in Weihnachtsliedern:

Have yourself a merry little Christmas, make the Yuletide gay.

Hugh Martin und Ralph Blane

Das Oxford Dictionary erklärt, Yuletide sei ein archaischer Ausdruck für Weihnachten – und tatsächlich hängen diese beiden Feste auch zusammen. Wie genau weiß man zwar heute nicht mehr ganz genau, ähnlich wie bei Samhain und Halloween gibt es diverse Theorien. Beide feste haben jedoch einen ähnlichen Anlass und ähnliche Traditionen. In einigen skandinavischen Ländern heißt Weihnachten auch tatsächlich Jul.

Jul wird zur Wintersonnenwende gefeiert. Der astrologische Zeitpunkt ist der Wechsel der Sonne von Schütze zu Steinbock (1° Steinbock). Als fixer Termin wird daher meist der 21.12. genannt. Die Wintersonnenwende ist die längste Nacht des Jahres – ab nun werden die Tage wieder länger und die Nächte kürzer. Das Licht kommt wieder, d.h. der an Samhain gestorbene Gott wird durch die Göttin wiedergeboren. Jul ist sinnbildlich die Wiederkehr allen neuen Lebens.

Viele Kulturen haben zu dieser Zeit die (Wieder-) Geburt des Gottes gefeiert, z.B. im römischen Sol Invictus (Mithras) Kult wurde die Geburt des Lichtgottes vermutlich am 25.12. gefeiert. Dieser Termin wurde später angeblich von den Christen als Geburt Jesu überno men, da die frühen Christen angeblich viele Parallelen zwischen dem Sonnengott und Jesus sahen. Der Tag ist seit 336 n. Chr. ein kirchlich belegter Feiertag.

Jul ist auch in den paganen Religionen das Fest der Familie. Es symbolisiert den Zusammenhalt in dunkler Nacht und erinnert uns, dass alles ewig währt. Es gibt Hoffnung in der dunkelsten Zeit des Jahres.

Um die Unsterblichkeit zu symbolisieren, wird das Haus mit dem immergrünen Julbaum oder Julbüschel (als Zweige oder Kränze) dekoriert. Dazu werden überall Kerzen und Lichter aufgestellt, die das wiedergeborene Licht präsentieren. Die traditionellen Farben zur Dekoration sind daher grün (Erde, Natur und Hoffnung), gold (Licht, der Gott) und rot (Leben, Geburt, das Blut der Göttin).

Als Symbole dienen neben immergrünen Pflanzenteilen wie o.g. Kerzen oder aber auch ein Rad als Symbol des Jahresrades – denn das Wort Jul bedeutet Rad oder Kreislauf. Sehr schön kann man daher auch getrocknete Orangenscheiben verwenden. Als Opfer eignen sich Glühwein oder Gewürzgebäck (oder eben die kinderfreundliche Variante Milch und Kekse).

Wer räuchern möchte, der kann auf jedes würziges Räucherwerk zurückgreifen: Rosmarin, Zeder, Kiefer, Lorbeer, Tanne, Zimt, Weihrauch, Myhrre und Salbei. Wer einen Kamin hat, der kann einen Julblock verbrennen – traditionell wurde an Jul ein Feuer mit einem lange brennenden Holzblock angezündet, dass mindestens 12 Stunden brennen sollte. Wer keinen Kamin hat, der kann einen Julblock dekorieren und mit Kerzen schmücken und symbolisch als Tischschmuck verwenden (ähnlich wie dem christlichen Adventskranz).

Ritualthemen an Jul sind neben Wiedergeburt auch Schutz und Segen für sich selbst und seine Lieben. Als Edelsteine zur Unterstützung können Malachite, grüner Aventurin und Rubin genutzt werden.

Das Festessen darf deftig sein. Meine Favoriten sind Drei- Nuß- oder Linsenbraten oder Mock- Duck à l’orange. An Naschereien eignen sich Nüsse, Äpfel, Obstkuchen und Apfelsinen.

Der Vollständigkeit halber – andere Namen für Jul sind Jolablót (Julopfer), Sonarblót (Eberopfer) oder Midvertblót (Mittwinteropfer), Modraniht oder Alban Arthuan (Licht von Arthur).

Während bei den Kelten Samhain als Beginn des Jahres gesehen wurde, war bei den Germanen Modraniht, die Nacht der Mütter mit den folgenden Nächten die Zeit des Jahreswechsel. Als Symbol wurden am Julabend alle Lichter gelöscht und am Feuer des Julblock neu entzündet. An Jul und den folgenden Rauhnächten durfte das Rad des Jahres nicht durch das Drehen eines anderen Rades gestört werden – Pflug, Spinnrad, Schubkarre und andere Gerätschaften durften in dieser Zeit nicht bewegt werden. Zu den Rauhnächten folgt aber noch ein gesonderter Artikel.

Erzählt doch mal – was feiert Ihr? Jul, Weihnachten oder beides? Was sind Eure Traditionen? Und wie feiert Ihr 2020 in dieser wirklich besonderen Situation durch Covid 19? Ich wünsche Euch eine schöne, besinnliche Zeit, lasst uns das Beste daraus machen. Be blessed, Keya

P.S. – wer sich über einen kleinen musikalischen Adventskalender freut und nichts gegen den ein oder anderen falschen Ton hat, kann mir auf Instagram lauschen, diesen Account hatte ich für musikalische Unterstützung meiner Lieben in der Coronazeit eingerichtet.

Wie aus Samhain Halloween wurde

Halloween ist unter den Feiertagen ja so ein bisschen, wie der Tod im Tarot – von vielen zutiefst missverstanden und deswegen gefürchtet und von denen, die dahinter blicken, innig geliebt. Und von Kindern natürlich geliebt, weil Verkleiden, kontrolliertes Gruseln und Süßigkeiten sammeln natürlich total Spaß machen.

Hier habe ich schon etwas zu den keltischen Ursprüngen von Samhain erzählt und dann die Bedeutung und die Bräuche, die von vielen neupaganen Religionen bis heute gepflegt werden, erklärt. Tatsächlich ist es eines der wichtigsten Feste im Jahreskreis, wenn nicht sogar das wichtigste. Leider ist es in unseren Breitengraden ziemlich befremdlich, den Tod zu feiern. Unsere Gesellschaft hat den Tod tabuisiert und unsichtbar gemacht. Das Sterben wird ausgeklammert und macht daher vielen sehr viel Angst.

Photo by Andrés Gómez on Unsplash

Tatsächlich habe ich jahrelang Probleme gehabt (und habe sie noch, auch wenn es besser wird), den Tod geliebter Personen zu verarbeiten – z.T., weil die Gesellschaft einen zwingt, sofort weiter zu machen, als sei nichts gewesen. Mir hilft diese Zeit im Jahr, mich daran zu erinnern, dass der Tod Teil des Leben ist. Und das geliebte Seelen nie ganz von uns gehen.

Wie in meinem Beitrag über Samhain bereits erwähnt, gehen die Ursprünge des Festes auf die Kelten zurück. Nun gibt es durch die weite Verbreitung der Kelten und deren Leben in Stämmen eigentlich nicht „die Kelten“. ( Wusstet Ihr, das Gallier nur die römische Bezeichnung für einen keltischen Stamm war – genau, Asterix war Kelte). Ebenso ist eine kontinuierliche Entwicklung der Halloweenbräuche aus keltischen Traditionen nicht belegt. Zwar feiern heute die neu-paganen Religionen Samhain als Fest zum Totengedenken, bei den Kelten war Samhain aber eher ein Erntedankfest und der Abschied vom Sommer.

Halloween geht aus irischen Traditionen hervor, also aus den Brauchtümern der „Inselkelten“ in Irland (und vielleicht auch Schottland). Dort haben die Brauchtümer besonders bei der Dorfbevölkerung überlebt und wurden auch noch gefeiert, als das Christentum begann. Früheste Belege, dass die christlichen Organisationen versuchten, solche heidnischen Bräuche abzuschaffen, existieren aus dem 8. Jahrhundert.

Kurzdokumentation von National Geographic

Oft wird darauf verwiesen, das Wort Halloween stamme von „All Hallowes‘ Eve“, dem Abend vor Allerheiligen. Auch das ist umstritten – den ursprünglich war Allerheiligen gar nicht im November, sondern wurde am 13.5. gefeiert – der Tag an dem Papst Bonifatius IV. das römische Pantheon zu einer Kirche zu Ehren der Jungfrau Maria und aller Heiligen weihte. Später weihte Papst Gregor III. eine weitere Kapelle allen Heiligen – am 1. November, der somit in Rom Feiertag für die Heiligen wurde. Dieser wurde erst von Gregor IV. in den römischen Generalkalender übernommen.

Einen Tag nach aller Heiligen wird Allerseelen gefeiert, das auf den Abt Odilo von Cluny zurück geht. Hier gedenken Katholiken ihren verstorbenen Seelen im Fegefeuer, wodurch deren Zeit im Fegefeuer verkürzt werden soll.

Allerheiligen und Halloween

Das der Spuk und Grusel nicht auf keltische Traditionen zurück geht, macht auch Sinn, denn das Konzept des Bösen ist im christlichen Glauben relativ einzigartig. Das Konzept, Seelen nach ihren Taten in Himmel und Hölle aufzuteilen und auch das Büßen im Fegefeuer sowie das Konzept des Teufels ist in anderen Religionen in diesem Umfang nicht üblich. Wenn heidnische Religionen also an Samhain feiern, dass der Schleier zur Anderswelt dünner und somit die Kommunikation mit den Ahnen möglich ist, dann passt das nicht in das christliche Konzept und aus den Seelen der Ahnen werden Zombies und andere Spukgestalten.

Gerade in Irland (und Schottland), die zwar früh christianisiert wurden, aber einen Teil ihrer Mythen und „Aberglauben“ gerade in der Dorfbevölkerung behielten, wurden die Halloweennacht ausgelassen gefeiert. Dort gibt es Überlieferungen, dass Freudenfeuer und Wahrsagerei von den kirchlichen Stellen untersagt wurden, da die Nacht zur Unruhenacht ausartete. Hier in Europa wurden bereits Laternen aus Gemüse geschnitzt – aus Rüben, die erst später in Amerika durch die dort vorhandenen Kürbisse ersetzt wurden.

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Die sogenannten Jack O’Lanterns gehen der Sage nach auf den Hufschmied Jack Oldflield (Stingy Jack/ Drunk Jack) zurück.

Jack saß in der Dorfkneipe, als der Teufel ihn holen wollte. Er feilschte mit dem Teufel um einen letzten Drink, der Teufel hatte aber keine Münze bei sich und verwandelte sich kurzer Hand selbst in eine Münze – die Jack kurzer Hand in seinen Geldbeutel legte, indem sich auch ein silbernes Kreuz befand – wodurch es dem Teufel nicht möglich war, sich zurück zu verwandeln. Jack handelte darauf hin mit dem Teufel aus, seine Seele solle noch 10 Jahre frei sein, wenn er im Gegenzug den Teufel freiließe.

Nach 10 Jahren gelang es Jack tatsächlich ein weiteres Mal, den Teufel auszutricksen – er bat als Henkersmahlzeit um einen Apfel, worauf der Teufel zum Pflücken einen Baum hinaufkletterte und nicht mehr herunterkam, da Jack diesmal ein Kreuz in den Stamm geschnitzt hatte. Dieses Mal versprach der Teufel, Jacks Seele auf Ewigkeit zu verschonen.

Als Jacks Stündlein geschlagen hatte, wurde ihm der Zutritt ins Himmelreich verwehrt, denn er war nicht gerade ein Vorbild gewesen, da er ja nicht in Angst vor dem Teufel leben musste. Als der sich dann zur Hölle aufmachte, ließ auch der Teufel ihn nicht ein – denn er hatte ja versprochen, Jacks Seele auf Ewigkeit zu verschonen. Doch der Teufel hatte Mitleid mit Jack und gab ihm eine Kohle aus dem Höllenfeuer, den dieser in eine ausgehöhlte Rübe legte, die er als Proviant dabei hatte. So wandert Jacks Seele am Vorabend zu Allerheiligen auf Ewigkeiten durch die Dunkelheit.

Legende der Jack O’Lantern

Daher werden zu Halloween die Kürbislaternen aufgestellt, um Jack den Weg auszuleuchten und Trost zu spenden. Manche sagen auch, das Licht in der Kürbislaterne würde den Teufel fern halten. An dieser Legende wird deutlich, dass die Sage zu christlichen Zeiten entstanden sein muss – denn der Teufel ist ein christliches Konzept.

Eine weitere Tradition, das sogenannte Trick or Treating, wurde ebenfalls bereits in Europa zelebriert, genauso wie die Kostümierungen an Halloween. Es gibt einige Überlieferungen, dass in Irland und Schottland von Haus zu Haus gegangen wurde und Bibelverse im Austausch für Speisen rezitiert wurden (ähnlich des deutschen Brauchs an Sankt Martin) – wenn der Hausbesitzer sich als geizig erwies, wurde auch schon einmal eine schwarze Zukunft vorausgesagt. Dies wurde in Amerika zu Trick or Treat also Süßes, sonst gibt’s Sauers abgekürzt. Ähnlich wie deutsche Bräuche des „Maibaum- Klauens“ sollte es sich dabei natürlich um harmlose Streiche handeln – leider eskalieren solche Streiche dann aber ab und an.

Es bleibt dabei – entweder man liebt Halloween oder man hasst es. Viele sehen aber leider nur die kommerzialisierte Hülle, die nun von Amerika von uns zurück kommt – oder aber, erfahren kleine Hintergrunddetails über die Kelten und dichten viele negative Dinge hinzu. Für mich war Samhain, wie es heute z.B. von den Wicca begangen wird, ein fehlendes Glied in der ganzen Feiertagsreihe. Ich komme aus einer evangelisch geprägten Region – wir feiern alles mögliche, aber haben keinen Tag, an unsere Ahnen zu denken, außer vielleicht Volkstrauertag, der aber eher Gedenktag für Gefallene ist. Halloween war für mich zu Beginn eine Art, mein Samhain mit meinen Freunden verbringen zu können, ohne das diese große Berührungsängste hatten – kostümieren, Süßigkeiten essen und kontrolliert gruseln macht schließlich Spaß.

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Ein wirklich freudiger Tag war für mich, als der Reformationstag ein Feiertag bei uns in Niedersachsen wurde – so habe ich nun an dem für mich wichtigsten Feiertag frei. Ich freue mich einerseits über wachsende Halloweenbegeisterung – denn sie führt dazu, dass viel mehr Menschen sich mit Samhain beschäftigen (und hoffentlich weiter kommen als bis zu dem gefährlichen Halbwissen über die keltischen Bräuche, hierzu in diesem Post mehr). Durch Information, Austausch und Verständigung passiert soviel Verständigung zwischen verschiedenen Ansichten und Religion, dass es sich positiv für unsere Zukunft auswirkt. Auf der anderen Seite führt die Kommerzialisierung und die Ablehnung dieses „amerikanischen Kram“ zu verhärteten Fronten und zu weiteren Verletzungen durch unsensibles Verhalten.

Bitte bedenkt – Feiertage leben von der Bedeutung für die Feiernden, bitte seid so gut und:

  • tragt keine Kostüme, die Stereotypen bedienen (z.B. Indianer)
  • akzeptiert, dass euer Nachbar andere Feiertage feiert als ihr
  • respektiert gerade Feiertage wie z.B. Samhain für die Neuheiden und den Dia de los Muertos in Mexiko – diese scheinen recht ähnlich/zeitgleich zu Halloween stattzufinden, haben aber gerade für die Feiernden eine sehr tiefe, persönliche Bedeutung

Wie sieht es denn bei Euch aus – Team Halloween oder Team Anti- Halloween? Schreibt gern Eure Beweggründe, Bedenken oder Gedanken dazu in die Kommentare. Wenn ihr feiert – wie feiert ihr dann?

Egal, was ihr in dieser Zeit feiert – macht Euch eine tolle Zeit. Be blessed, Keya

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