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Schlagwort: Religionsfreiheit

Samhain – bitte was?

So oder so ähnlich sind die Reaktionen, wenn ich sage, wir (ich und meine Familie dann auch) feiern am 31.10.2020 Samhain (sprich britisch „sawn“ oder amerikanisch „saa·wn“).

So ähnlich reagiere ich aber auch manchmal über die Gerüchte, die gerade von christlichen Freunden kommen, die sich über den „rüberschwappenden Halloween- Trend“ aufregen. Dies Jahr habe ich diesen Blog und da es thematisch passt, kann ich also meine Meinung und Ansichten zu diesem Fest hier aufschreiben – und dann diesen Artikel in etwaigen Facebook- Kommentaren verlinken. Aber alles der Reihe nach. Ich werde mehrere Artikel dazu schreiben, um es nicht zu langatmig werden zu lassen.

Zunächst wäre vielleicht ein Artikel über das Rad des Jahres an sich passend als Einstieg gewesen – reiche ich nach, versprochen. So passt sich das aber auch, denn Samhain beginnt das Rad des Jahres von vorn. Es markiert also für alle, die die Jahreskreisfeste feiern, den Anfang eines neuen Zyklus.

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Die Ursprünge des Festes gehen auf die Kelten zurück – zu den heutigen Bräuchen und Feiern habe ich bereits einen Artikel verfasst. Die Kelten waren eine Volksgruppe in der Antike, die an Hand bekannter archäologischer Funde eine ausgeprägte Kultur und eine hochentwickelte soziale Kultur hatten. Heute denken die meisten bei den Kelten wahrscheinlich an die britischen Inseln, wenn sie gefragt werden, wo die Kelten den lebten. Tatsächlich verbreiteten sich die Kelten in Wanderungen mit der Zeit jedoch auch in ganz Europa und kamen mit den etruskischen, griechische, thrakische, skythischen und germanischen Kulturkreisen sowie mit den Römern in Kontakt. Mit allen genannten Kulturen haben die Kelten offenbar Handel betrieben, wie sich aus archäologischen Funden ableiten lässt. 

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Tatsächlich lässt sich das heutige Halloween, das mehr und mehr aus Amerika zu uns kommt, in seinen Ursprüngen bis zum keltischen Samhain zurückverfolgen. Allerdings sind die heutigen Halloweenbräuche keine kontinuierliche Entwicklung der keltischen Bräuche, denn wir wissen nichts Genaues bzw. sehr wenig über die religiösen Praktiken der Kelten im Detail – dazu kommt ein eigener Beitrag, da ich hier noch versuche, verlässliche Literatur zu bekommen. Eben dies lässt jedoch sehr viel Raum für Spekulationen – Jahr für Jahr werden daher auch in meinem Bekanntenkreis Sharepics geteilt, auf denen vor Halloween gewarnt wird, weil die Kelten Menschen-/Kinderopfer zu Samhain dargebracht haben oder aber Hexen an Halloween ihren satanischen Ritualen frönen. Da wird jetzt soviel in einen Topf geschmissen, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll (und ob man Ostern noch feiern darf).

Des Weiteren sorgen sich viele um die Tradition der Martinsumzüge – in Deutschland gehen Kinder am oder am Wochenende nach dem Martinstag von Tür zu Tür, singen das Martinslied und bekommen dafür Süßigkeiten. Das an Halloween übliche „Trick or Treat“ mutet bei diesen besorgten Mitmenschen als „Erpressung“ an (auch zur Herkunft dieser Tradition in einem weiteren Beitrag mehr). So werden dann Kinder an Halloween wieder weg geschickt mit Verweis auf das Martinsfest, da dies im Gegensatz zu Halloween einen Sinn vermittelt – nämlich gelebte Großzügigkeit. So sehr ich die Kommerzialisierung von Halloween ebenfalls nicht gutheiße – für mich hat es da aber doch einen Sinn. Es hält der Gesellschaft den Spiegel vor. Großzügigkeit heißt: „Bedingslos und freiwillig abgeben“ – und nicht erwarten, dass der Beschenkte sich an auferlegte Regeln hält. Ich kann mich bei der Martinssage nicht erinnern, dass Martin erst gefragt hat, welche Religion der Bettler hatte, dem er ganz großzügig einen halben Mantel abgab (er hatte bestimmt mehrere ganze im Schrank und wahrscheinlich auch eine Decke oder ähnliches dabei, wenn er zu Pferd reiste).

Ich möchte kein Religionsbashing betreiben – aber ihr seht, wenn ihr jemanden befragt, der von außen auf eine Religion sieht, kommt selten ein rein positives Bild dabei raus. Das sollte uns auch bei den Berichten über die Kelten im Gedächtnis bleiben, denn die Berichte über Menschenopfer stammen nicht von den Kelten selbst – sondern wurden z.B. von keinem geringeren als Julius Caesar – das der liebe Julius vielleicht ein wenig übertrieben hat, weil es sich bei den Schriften um Kriegspropaganda handelt, mag sein. Ganz aus der Luft gegriffen haben werden die antiken Autoren ihre Berichte nicht – jedoch beim Werk „De Bello Gallico“ ist nicht einmal sicher, ob Caesar alle Teile selbst geschrieben hat oder jemand im Nachhinein ergänzt hat (im Lateinunterricht habe ich dieses Werk lesen müssen und ich erinnere mich an eine witzige Passage, in der Caesar – so er diesen Part selbst geschrieben hat – Elche beschreibt).

Gibt man „Halloween Kinder“ bei youtube ein, findet man neben Deko- und Verkleidungstipps auch sehr viel Content, der vor Halloween warnt. Das meiste kommt von Accounts, die bereits Kirche im Namen tragen – oder von besorgten Muttis (ich bin auch ab und an eine, wir neigen echt dazu, überzureagieren), die eben auf die Kinderopfer bei den Kelten hinweisen. Als Quelle – Caesars „De Bello Gallico“, Strabon, Diodor und Cicero (man bemerke, alles Römer/ Griechen) und ein Fund bei einer Ausgrabung am „Hill of Ward“, bei dem angeblich ein geopfertes Babyskelett entdeckt wurde – spannend dabei, dass die Archäologen vor Ort sich nicht sicher ist, ob es sich um ein Opfer gehalten hat – denn das Skelett war sorgfältig beerdigt worden, weist keine Anzeichen von Gewalteinwirkung auf und auch sonst gibt es laut diesem Bericht überhaupt wenige archäologische Belege für Menschenopfer – der jüngsten Bericht, den ich dazu gefunden habe, stammt aus 2014 und laut Universität ging die Ausgrabung nur von 2014-2015. Zwar spricht auch der Keltologe Helmut Birkhan von Menschenopfern bei den Kelten – aber wir wissen einfach nicht genug, um diese Praktiken sicher mit Samhain in Verbindung zu bringen.

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Zusätzlich muss man sich ins Gedächtnis rufen – die Kelten waren eine weit verbreitete Volksgruppe und die Römer kamen hauptsächlich in Kontakt mit den Galliern – Halloween entwickelte sich aber im frühen Christentum in Irland und Schottland. Da jeder keltische Stamm ein wenig eigene Bräuche pflegte, lassen sich Berichte über Menschenopfer aus römischer Quelle nicht ohne Weiteres auf die britischen Stämme übertragen – und selbst wenn, die Ursprünge der Halloweenbräuche sind eindeutig christlich, wie hier beschrieben. Somit ist Samhain ein Fest, das vermutlich irgendwann durch Halloween ersetzt wurde – aber außer dem Datum vielleicht doch gar nicht so viel mit Halloween gemeinsam hatte?

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Also, so richtig handfeste Beweise haben weder die Halloween-„Hater“ noch ich gefunden bzw. die Wertung der möglichen Menschenopfer und deren Zusammenhang mit Samhain ist eben davon abhängig, ob man Argumente für oder gegen Samhain/Halloween sucht – wenn wir aber einmal die Bibel betrachten, dann gibt es auch hier Hinweise bzw. konkrete Erzählungen möglicher Menschenopfer. Trotzdem hinterfragen wir ja nicht deswegen alle christlichen Feiertage, oder? Wenn ihr nun interessiert seid, welchen Sinn Samhain nun für heutige heidnische Religionen hat, dann habe ich es versucht, es hier zusammenzufassen. Ich würde mich freuen, wenn ihr danach versteht, warum es für viele von uns wirklich einer der wichtigsten Feiertage im Jahr ist.

Wer sich über den Spuk und Grusel an Halloween beschwert – dieser ist vermutlich durch Vermischung mit dem christlichen Glauben entstanden und war nicht Bestandteil des ursprünglichen Samhain. Die Industrie hat entdeckt, wie gut sich damit Geld machen lässt und der Konsum höhlt den Feiertag aus und lässt ein sinnentlehrtes Spektakel übrig (Anmerkung: passiert in den letzten Jahren aber auch mit Weihnachten, dass zur Konsumschlacht ausartet). Wer jetzt Hexen und „satanische“ Kulte zusammenwirft und Halloween dazu in Beziehung setzt, der schmeißt unterschiedliche Dinge in den Kessel und wundert sich, was dabei raus kommt.

Mein Altar zur Samhain Zeit

Fakt ist, es gibt moderne Hexen – jedoch ist Hexe sein ein spiritueller Pfad, den man geht und völlig unabhängig von einer Religion. Es gibt Hexen (übrigens männlich, weiblich, divers ;)), die dem christlichen Glauben angehören. Daneben gibt es Wicca, eine Religion, die oft mit dem englischen „Witch“ gleichgesetzt wird, was aber aus o.g. Grund nicht ganz korrekt ist. Denn eine Hexe kann jeder beliebigen Religion angehören, aber auch einfach nur die Natur als Ganzheit verstehen oder sogar atheistisch sein. Satan oder der Teufel existiert nur im christlichen Glauben – wer aufgepasst hat weiß, dass es auch Hexen geben kann, die Satan verehren – aber dann gehören sie auch noch nicht zwangsläufig dem (modernen) Satanismus an. Dies ist ein Fakt, den ich bis vor 2 Jahren selbst noch nicht wusste – ich verdanke dieses Wissen einer Neuverfilmung einer Hexe, die meinen bürgerlichen Vornamen trägt.

Anfang November 2018 gab es Schlagzeilen, dass der Satanic Temple Netflix für die Verwendung einer Statue von Baphomet in der Serie „The chilling adventures of Sabrina“ verklagte. Die Statue wird dabei in der klischeehaft dargestellten Kirche der Nacht verwendet, die alle Vorurteile des Satanismus bedient, die wir aus einschlägigen Horrorfilmen kennen. Satanismus war jedoch selten tatsächlich Anbetung von Satan, sondern als Protestbewegung gegen strenge kirchliche Doktrinen des Christentums gemeint. Und auch der 2013 gegründete Satanic Temple glaubt nicht an einen real existierenden Teufel, sondern sieht ihn als Symbol der Freiheit und Individualität – Okkultismus und Esoterik wird sogar von der Bewegung abgelehnt, stattdessen geht es um politischen Aktivismus und ein humanistisches Menschenbild (vgl. hier). Und seitdem schäme ich mich für mein bis zu dieser Erkenntnis wirklich dunkles Bild über Satanismus – niemand ist frei von Vorurteilen, Lektion gelernt.

Da Samhain ja Hexenneujahr ist, ist es auch eine Zeit, über Vorsätze nachzudenken. Ich hätte ein paar Vorschläge für uns alle:

  • Du magst Halloween nicht – macht nichts, der Grinch mag Weihnachten nicht – trotzdem ist es uncool, allen anderen den Spaß zu verderben
  • Seid offen und frei von Vorurteilen – dein Nachbar feiert andere Feiertage als Du? Lass es Dir erklären. Feiert gemeinsam – das Leben ist eh viel zu kurz
  • Du magst einem Kind keine Süßigkeiten geben, weil es am falschen Tag danach fragt? Es ist nicht Dein Kind – Du bist nicht für die Erziehung verantwortlich. Du solltest Dir überlegen, was es über Dich aussagt, wenn Du nichts gibst, weil Du Dich von der Bitte nach Süßigkeiten angegriffen fühlst
  • Recherchiere, bevor Du Dir eine Meinung über andere Religionen bildest – am Besten, indem Du Berichte von Beteiligten liest oder besser noch mit ihnen sprichst. Gerade Autoren mit gegenteiliger Religionszugehörigkeit fällt es oft schwer, objektiv zu berichten
  • Ebenso, wie Du nicht Halloween feiern musst, müssen Traditionen nicht auf Biegen und Brechen aufrecht erhalten werden. Gerade Feiertage erben wir meist von unseren Vorfahren/ Ahnen – verändern sie aber meist selbst ein wenig und geben sie so an unsere Kinder weiter – das ist o.k. Wichtig ist, dass der Feiertag den Feiernden etwas bedeutet – er muss nicht vom Nachbarn verstanden, jedoch akzeptiert werden – ggf. die Feiertage der jeweiligen anderen Kultur zusammen feiern, s.o.
  • Lasst uns alle vor der eigenen Haustür kehren – dann wird es sauberer 🙂

Nochmal – mir geht es nicht darum, irgendeine Kultur oder Religion als überlegen darzustellen. Ich selbst bin evangelisch-lutherisch getauft und nachdem ich als junge Frau aus der Kirche ausgetreten bin sogar vor mehr als 10 Jahren wieder eingetreten – weil ich die Gemeinde in meinem kleinen Wohnort als Bereicherung erlebe. Meine Kinder gehen „St. Martins Singen“ – an Halloween haben sie eh keine Zeit, da feiern wir Samhain. Gern aber auch mit Verkleidung, wenn die Kinder es so wollen. Und wenn ihr einen Feiertag streichen wollt, dann fangt bitte bei den eigenen an – alles andere greift in die Freiheit anderer ein. Macht Euch eine tolle Zeit.

Be blessed, Keya

P.S.

Man steckte sie in Tierfelle und ließ sie von Hunden zerfleischen, man schlug sie ans Kreuz oder zündete sie an und ließ sie nach Einbruch der Dunkelheit als Fackeln brennen.

Tacitus über die Christenverfolgung unter Nero

Während Christen unter Caesar weitestgehend Religionsfreiheit genossen, wurden sie zu späteren Zeiten verfolgt und zum Teil öffentlich hingerichtet oder in öffentlichen Spielen zur Volksbelustigung getötet. Später wurde das Christentum Staatsreligion. Praktiken wie Religionen, Hintrichtungen und Menschenopfer lassen sich also nicht immer einwandfrei einer gesamten Kultur/ Volksgruppe zuordnen, da sie einem stetigen Wandel unterliegen – daher lasst uns aus Fehlern der Vergangenheit lernen, im Hier und Jetzt leben und die Zukunft für uns alles besser gestalten.

Wie aus Samhain Halloween wurde

Halloween ist unter den Feiertagen ja so ein bisschen, wie der Tod im Tarot – von vielen zutiefst missverstanden und deswegen gefürchtet und von denen, die dahinter blicken, innig geliebt. Und von Kindern natürlich geliebt, weil Verkleiden, kontrolliertes Gruseln und Süßigkeiten sammeln natürlich total Spaß machen.

Hier habe ich schon etwas zu den keltischen Ursprüngen von Samhain erzählt und dann die Bedeutung und die Bräuche, die von vielen neupaganen Religionen bis heute gepflegt werden, erklärt. Tatsächlich ist es eines der wichtigsten Feste im Jahreskreis, wenn nicht sogar das wichtigste. Leider ist es in unseren Breitengraden ziemlich befremdlich, den Tod zu feiern. Unsere Gesellschaft hat den Tod tabuisiert und unsichtbar gemacht. Das Sterben wird ausgeklammert und macht daher vielen sehr viel Angst.

Photo by Andrés Gómez on Unsplash

Tatsächlich habe ich jahrelang Probleme gehabt (und habe sie noch, auch wenn es besser wird), den Tod geliebter Personen zu verarbeiten – z.T., weil die Gesellschaft einen zwingt, sofort weiter zu machen, als sei nichts gewesen. Mir hilft diese Zeit im Jahr, mich daran zu erinnern, dass der Tod Teil des Leben ist. Und das geliebte Seelen nie ganz von uns gehen.

Wie in meinem Beitrag über Samhain bereits erwähnt, gehen die Ursprünge des Festes auf die Kelten zurück. Nun gibt es durch die weite Verbreitung der Kelten und deren Leben in Stämmen eigentlich nicht „die Kelten“. ( Wusstet Ihr, das Gallier nur die römische Bezeichnung für einen keltischen Stamm war – genau, Asterix war Kelte). Ebenso ist eine kontinuierliche Entwicklung der Halloweenbräuche aus keltischen Traditionen nicht belegt. Zwar feiern heute die neu-paganen Religionen Samhain als Fest zum Totengedenken, bei den Kelten war Samhain aber eher ein Erntedankfest und der Abschied vom Sommer.

Halloween geht aus irischen Traditionen hervor, also aus den Brauchtümern der „Inselkelten“ in Irland (und vielleicht auch Schottland). Dort haben die Brauchtümer besonders bei der Dorfbevölkerung überlebt und wurden auch noch gefeiert, als das Christentum begann. Früheste Belege, dass die christlichen Organisationen versuchten, solche heidnischen Bräuche abzuschaffen, existieren aus dem 8. Jahrhundert.

Kurzdokumentation von National Geographic

Oft wird darauf verwiesen, das Wort Halloween stamme von „All Hallowes‘ Eve“, dem Abend vor Allerheiligen. Auch das ist umstritten – den ursprünglich war Allerheiligen gar nicht im November, sondern wurde am 13.5. gefeiert – der Tag an dem Papst Bonifatius IV. das römische Pantheon zu einer Kirche zu Ehren der Jungfrau Maria und aller Heiligen weihte. Später weihte Papst Gregor III. eine weitere Kapelle allen Heiligen – am 1. November, der somit in Rom Feiertag für die Heiligen wurde. Dieser wurde erst von Gregor IV. in den römischen Generalkalender übernommen.

Einen Tag nach aller Heiligen wird Allerseelen gefeiert, das auf den Abt Odilo von Cluny zurück geht. Hier gedenken Katholiken ihren verstorbenen Seelen im Fegefeuer, wodurch deren Zeit im Fegefeuer verkürzt werden soll.

Allerheiligen und Halloween

Das der Spuk und Grusel nicht auf keltische Traditionen zurück geht, macht auch Sinn, denn das Konzept des Bösen ist im christlichen Glauben relativ einzigartig. Das Konzept, Seelen nach ihren Taten in Himmel und Hölle aufzuteilen und auch das Büßen im Fegefeuer sowie das Konzept des Teufels ist in anderen Religionen in diesem Umfang nicht üblich. Wenn heidnische Religionen also an Samhain feiern, dass der Schleier zur Anderswelt dünner und somit die Kommunikation mit den Ahnen möglich ist, dann passt das nicht in das christliche Konzept und aus den Seelen der Ahnen werden Zombies und andere Spukgestalten.

Gerade in Irland (und Schottland), die zwar früh christianisiert wurden, aber einen Teil ihrer Mythen und „Aberglauben“ gerade in der Dorfbevölkerung behielten, wurden die Halloweennacht ausgelassen gefeiert. Dort gibt es Überlieferungen, dass Freudenfeuer und Wahrsagerei von den kirchlichen Stellen untersagt wurden, da die Nacht zur Unruhenacht ausartete. Hier in Europa wurden bereits Laternen aus Gemüse geschnitzt – aus Rüben, die erst später in Amerika durch die dort vorhandenen Kürbisse ersetzt wurden.

Photo by Daniel Lincoln on Unsplash

Die sogenannten Jack O’Lanterns gehen der Sage nach auf den Hufschmied Jack Oldflield (Stingy Jack/ Drunk Jack) zurück.

Jack saß in der Dorfkneipe, als der Teufel ihn holen wollte. Er feilschte mit dem Teufel um einen letzten Drink, der Teufel hatte aber keine Münze bei sich und verwandelte sich kurzer Hand selbst in eine Münze – die Jack kurzer Hand in seinen Geldbeutel legte, indem sich auch ein silbernes Kreuz befand – wodurch es dem Teufel nicht möglich war, sich zurück zu verwandeln. Jack handelte darauf hin mit dem Teufel aus, seine Seele solle noch 10 Jahre frei sein, wenn er im Gegenzug den Teufel freiließe.

Nach 10 Jahren gelang es Jack tatsächlich ein weiteres Mal, den Teufel auszutricksen – er bat als Henkersmahlzeit um einen Apfel, worauf der Teufel zum Pflücken einen Baum hinaufkletterte und nicht mehr herunterkam, da Jack diesmal ein Kreuz in den Stamm geschnitzt hatte. Dieses Mal versprach der Teufel, Jacks Seele auf Ewigkeit zu verschonen.

Als Jacks Stündlein geschlagen hatte, wurde ihm der Zutritt ins Himmelreich verwehrt, denn er war nicht gerade ein Vorbild gewesen, da er ja nicht in Angst vor dem Teufel leben musste. Als der sich dann zur Hölle aufmachte, ließ auch der Teufel ihn nicht ein – denn er hatte ja versprochen, Jacks Seele auf Ewigkeit zu verschonen. Doch der Teufel hatte Mitleid mit Jack und gab ihm eine Kohle aus dem Höllenfeuer, den dieser in eine ausgehöhlte Rübe legte, die er als Proviant dabei hatte. So wandert Jacks Seele am Vorabend zu Allerheiligen auf Ewigkeiten durch die Dunkelheit.

Legende der Jack O’Lantern

Daher werden zu Halloween die Kürbislaternen aufgestellt, um Jack den Weg auszuleuchten und Trost zu spenden. Manche sagen auch, das Licht in der Kürbislaterne würde den Teufel fern halten. An dieser Legende wird deutlich, dass die Sage zu christlichen Zeiten entstanden sein muss – denn der Teufel ist ein christliches Konzept.

Eine weitere Tradition, das sogenannte Trick or Treating, wurde ebenfalls bereits in Europa zelebriert, genauso wie die Kostümierungen an Halloween. Es gibt einige Überlieferungen, dass in Irland und Schottland von Haus zu Haus gegangen wurde und Bibelverse im Austausch für Speisen rezitiert wurden (ähnlich des deutschen Brauchs an Sankt Martin) – wenn der Hausbesitzer sich als geizig erwies, wurde auch schon einmal eine schwarze Zukunft vorausgesagt. Dies wurde in Amerika zu Trick or Treat also Süßes, sonst gibt’s Sauers abgekürzt. Ähnlich wie deutsche Bräuche des „Maibaum- Klauens“ sollte es sich dabei natürlich um harmlose Streiche handeln – leider eskalieren solche Streiche dann aber ab und an.

Es bleibt dabei – entweder man liebt Halloween oder man hasst es. Viele sehen aber leider nur die kommerzialisierte Hülle, die nun von Amerika von uns zurück kommt – oder aber, erfahren kleine Hintergrunddetails über die Kelten und dichten viele negative Dinge hinzu. Für mich war Samhain, wie es heute z.B. von den Wicca begangen wird, ein fehlendes Glied in der ganzen Feiertagsreihe. Ich komme aus einer evangelisch geprägten Region – wir feiern alles mögliche, aber haben keinen Tag, an unsere Ahnen zu denken, außer vielleicht Volkstrauertag, der aber eher Gedenktag für Gefallene ist. Halloween war für mich zu Beginn eine Art, mein Samhain mit meinen Freunden verbringen zu können, ohne das diese große Berührungsängste hatten – kostümieren, Süßigkeiten essen und kontrolliert gruseln macht schließlich Spaß.

Photo by Paige Cody on Unsplash

Ein wirklich freudiger Tag war für mich, als der Reformationstag ein Feiertag bei uns in Niedersachsen wurde – so habe ich nun an dem für mich wichtigsten Feiertag frei. Ich freue mich einerseits über wachsende Halloweenbegeisterung – denn sie führt dazu, dass viel mehr Menschen sich mit Samhain beschäftigen (und hoffentlich weiter kommen als bis zu dem gefährlichen Halbwissen über die keltischen Bräuche, hierzu in diesem Post mehr). Durch Information, Austausch und Verständigung passiert soviel Verständigung zwischen verschiedenen Ansichten und Religion, dass es sich positiv für unsere Zukunft auswirkt. Auf der anderen Seite führt die Kommerzialisierung und die Ablehnung dieses „amerikanischen Kram“ zu verhärteten Fronten und zu weiteren Verletzungen durch unsensibles Verhalten.

Bitte bedenkt – Feiertage leben von der Bedeutung für die Feiernden, bitte seid so gut und:

  • tragt keine Kostüme, die Stereotypen bedienen (z.B. Indianer)
  • akzeptiert, dass euer Nachbar andere Feiertage feiert als ihr
  • respektiert gerade Feiertage wie z.B. Samhain für die Neuheiden und den Dia de los Muertos in Mexiko – diese scheinen recht ähnlich/zeitgleich zu Halloween stattzufinden, haben aber gerade für die Feiernden eine sehr tiefe, persönliche Bedeutung

Wie sieht es denn bei Euch aus – Team Halloween oder Team Anti- Halloween? Schreibt gern Eure Beweggründe, Bedenken oder Gedanken dazu in die Kommentare. Wenn ihr feiert – wie feiert ihr dann?

Egal, was ihr in dieser Zeit feiert – macht Euch eine tolle Zeit. Be blessed, Keya

Freifliegend – über mich

Auf der Startseite habe ich alles noch ein wenig wage gelassen – weil ich tatsächlich noch nicht so richtig weiß, wo die Reise (oder der Ritt auf dem Besen) so hingeht.

Ich habe schon oft geblogt, ob für meinen Etsyshop oder dann auch mal über Vintagestyling. Und eigentlich habe ich das aus Zeitgründen alles wieder sein lassen. Und ich frage mich auch jetzt, ob die Welt noch einen Blog braucht- und ich glaube (hoffe) ja.

Wie kam es dazu. Nun, im Gesangunterricht habe ich das Stück „A Living Prayer“ bekannt durch Alison Krauss gesungen. Dieses Lied hat mir sehr aus dem Herzen gesprochen, denn seit meiner Kindheit bin ich schon der Überzeugung, dass Beten nichts bringt, wenn man danach nicht entsprechend sein Leben gestaltet. Nun stellte mir meine Gesanglehrerin die Frage „Bist Du religiös?“

Vielleicht ersetze ich das nochmal durch ein Cover des Liedes von mir 😉

Nein, nicht religiös- jedoch gläubig. Magie und ein ganz bestimmtes Wissen, dass ich nicht in diesem Leben erworben habe, begleiten mich schon mein ganzes Leben. Wer nun denkt „Na toll, noch so eine Esoterik- Tante“ – ja, mein Verstand hat sich das oft gefragt, ob ich in die Esoterik abdrifte. Ich will im Folgenden kurz erklären, wieso das nicht der Fall ist.

Mein ganzes Leben fühle ich mich schon wie ein Beobachter. Selbst wenn ich Teil einer Gruppe bin, gehöre ich nie ganz dazu. Ich habe Erinnerung an meine frühste Kindheit- z.B. meine frühste Erinnerung ist an einen Urlaub in Ostfriesland, als ich 1,5 Jahre war. Mit etwa 6 Jahren fragte ich meine Eltern, ob wir nicht nochmal dahin fahren könnten – gefolgt von einer detailgetreuen Beschreibung der Ferienwohnung, die, so erklärten es sich meine Eltern, von einem Foto stammen würde, da ich mich ja unmöglich erinnern könnte.

Ich war schon immer ein introvertierter Mensch, in Gruppen, aber selbst in einer Freundschaft fällt es mir oft sehr schwer, alle meine Gedanken zu einem Thema überhaupt platzieren zu können. Meist werde ich jedoch intuitiv um Rat gefragt, wenn Freunde Liebeskummer haben – und vergessen, wenn er vorbei ist. Das ist o.k. – manchmal fühle ich mich wie eine Mary Poppins in Liebesdingen (wer hat als Kind auch immer geweint, wenn Mary melancholisch der Banks Familie hinterher sieht und begreift, dass es Zeit für sie ist, weiterzugehen, da sie nicht mehr gebraucht wird?)*

That’s the real magic, helping other people.

Cassie Nightingale, „The Good Witch“

Meine Mutter war sehr christlich und erzählte mir viel vom lieben Gott – der eigentlich den ganzen Tag wegen Kleinigkeiten auf mich böse war. Irgendwie begriff ich sowieso recht früh, dass die Bibel ein Buch zwar von Gott handelt, aber von Menschen für Menschen geschrieben wurde. Daher war es für mich nicht von der Allgemeingültigkeit mit der heute Menschen einzelne Passagen daraus zitieren, um das Leben anderer in Frage zu stellen. Grundsätzlich gefällt mir das Konzept der Nächstenliebe, offenbar hat es aber noch nicht der letzte verstanden.

Ich habe immer an das Göttliche geglaubt – für mich war es aber immer größer als ein einzelnes Bildnis einer einzelnen Gottheit. Für mich war das Göttliche das Universum- mit all den Erklärungen der Wissenschaft und all den Mysterien, die die Wissenschaft (noch) nicht erklären kann. Alle Gottheiten sind wie kleine Mosaiksteine in diesem großen Ganzen – sie zeigen einen Teilaspekt einer großen Kraft, die wir nie ganz erfassen können – im Gegenteil, wir sind auch kleine Mosaiksteine des großen Ganzen.

Photo by Hanny Naibaho on Unsplash

Mit 11 Jahren baute ich mir meinen ersten Altar im Zimmer. Als Kraftort, als Rückzugsort, wenn mich die Welt wieder überfordert. Zunächst mit christlichen Symbolen, da meine Familie sehr christlich geprägt war – bis heute bin ich selbst noch ein Mitglied der Gemeinde hier im Ort und habe auch meine Kinder bewusst taufen lassen. Ich begreife die Gemeinde als Institution des Miteinander hier vor Ort.

Kurz vor meiner Konfirmation wurde mein Bruder Buddhist. Meine Mutter war am Boden zerstört und konnte das nicht verstehen. Grundsätzlich habe ich gespürt, wieviel Kraft meine Eltern für die Probleme meiner deutlich älteren Brüder aufbringen müssen und war daher ein sehr ruhiges, „erwachsenes“ Kind. Ich wusste, welche Ansichten ich einfach lieber für mich behalten, um meine Mutter nicht zusätzlich zu beunruhigen. Parallel erfuhr ich durch meinen Bruder sehr viel über den Buddhismus, ging auch selbst einige Male ins Buddhistische Kloster, um mehr zu erfahren und dort auch selbst zu meditieren. Noch heute ziert ein kleiner Buddha, den mein Bruder mir schenkte, meinen Altar.

Meine Buddha Figur

Was ich nicht verstand, war, dass mein Bruder den Finger noch so in die Wunde legen musste – er ging zwar Weihnachten mit in die Kirche und sang inbrünstig „Oh Du Fröhliche mit“, ließ aber dann das Wort „Christenheit“ demonstrativ aus. Ich war schon immer der Meinung „When you’re in Rome, do as the Romans do“ – bis heute spreche ich das „Vater unser“ aus Respekt mit, wenn ich einen christlichen Gottesdienst besuche. Ich fand einfach, dass mein Bruder sich wie ein Teenie benimmt, um gegen meine Mutter zu rebellieren – immerhin war ich der Teenie und er Ende seiner 20er.

Ich nahm daher die ganze Konfirmationssache sehr ernst, obwohl ich dann auf meine Weise rebellierte. Mein Bruder fragte mich immer, wie denn Gott für mich aussähe – und sagte, man könne nicht glauben, ohne ein konkretes Bild vor Augen. Daher weigerte ich mich, ein Konfirmationsspruch aus der Bibel zu wählen – ich wollte etwas, das zu mir passt und das meine Ansicht repräsentierte. Ich hatte kurz zuvor den Roman „Das Geheimnis der weißen Mönche“ von Rainer M. Schröder gelesen und dort meinen Spruch gefunden. Ich bin meinem Pastor so dankbar, dass er nicht einfach abgelehnt hat, sondern sagte, ich solle ihm den Spruch nennen und ihn überzeugen, warum das der richtige Spruch sei. Mein Konfirmationsspruch lautete also:

Zum Glauben gehört eben immer auch das Ringen mit Gott, dem unfassbaren, scheinbar stummen, schattenhaften Gott. Denn wäre Gott für uns Menschen zu fassen oder zu erklären, so wäre er nicht Gott, sondern bestenfalls ein billiger Götze.

Rainer M. Schröder, „Das Geheimnis der weißen Mönche“

Nach meiner Konfirmation trug ich lange mein silbernes Kreuz (ich bekam ein goldenes Kreuz von meiner Patentante geschenkt, dass ich als echtes Mondkind in Silber umtauschen musste). Grundsätzlich fehlte mir aber immer etwas im christlichen Glauben und ich fühlte mich nie ganz zu Hause. Ich war an Hexenverfolgung und den geschichtlichen Hergängen interessiert, war froh, dass meine Eltern wenigstens evangelisch waren, denn ich verstehe bis heute nicht, warum Frauen in der katholischen Kirche scheinbar klein gehalten werden. Ich verstehe heute, dass ich das nur für mich beurteilen kann, dass ich es nicht akzeptieren kann – für andere aber aus ganz persönlichen Gründen ein Austritt eben keine Option ist.

Ich fühlte mich also zeitgleich wohl mit der Kirche heute als auch wütend auf die Ansichten der Kirche in der Vergangenheit. Zeitgleich fehlte mir etwas, was ich nicht näher definieren konnte. Als ich dann nach Hannover zum Studieren zog, fand ich mich immer öfter in einer auf Spiritualität und Glauben ausgerichteten Bücherei wieder. Irgendwann kam dann ein Buch über Wicca mit nach Hause. Und beim Durchlesen fühlte ich mich, als käme ich nach Hause. Mein Altar änderte sich in der Folge optisch ein wenig, ich richtete ihn mehr auf die weibliche Energie aus und stattete ihn mit Pentagrammen aus. Auch das Kreuz um meinen Hals wich dann für Jahre einem Pentagramm.

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Wenn ich auf die folgenden Jahre zurückblicke, verstehe ich meinen Bruder bei seinem Prozess viel besser. Denn wenn man anfängt sich abzunabeln, dann beginnt man erst einmal damit, sich vom Alten zu distanzieren. Die ersten Bücher, die ich über Wicca las, waren auch sehr negativ gegenüber der christlichen Religion – was ich heute als absolut unpassend empfinde, da Wicca eine der positivsten Religionen im Umgang mit anderen Religionen sein sollte. Meinem Ich in den 20ern kam dieser Ton aber gerade recht, obwohl ich wohl auch bemerkte, dass bei historischen Fakten oftmals dazu gedichtet oder übertrieben wurde. Für einige Jahre trat ich dann aus der Kirche aus (weil auf dem Standesamt auch keiner etwas über die Möglichkeit der Umpfarrung erzählt, dann wäre meine Entscheidung vermutlich damals schon eine andere gewesen).

Mein heutiges Ich ist viel versöhnlicher – ich bin vor Geburt meines ersten Sohnes wieder in die Kirche eingetreten, habe mich aber umpfarren lassen – d.h. egal, wohin ich gehe, meine Kirchensteuer geht an meine Heimatgemeinde. Dort fühle ich mich zu Hause – vom Ort und von den Menschen her. Auf Facebook bin ich Wicca – in Amerika eine anerkannte Religion und meinen eigenen Überzeugungen in so vielen Teilen vermutlich ähnlich, dass ich mich wahrscheinlich tatsächlich als Wicca bezeichnen kann. Tatsächlich nenne ich mich selbst aber Hexe – Wicca muss man länger erklären als Hexe, da können sich die Leute was drunter vorstellen (und manchmal sind damit auch Nachfragen vom Tisch). Zusätzlich ist Hexe wiederum mehr, als nur eine Religionsbezeichnung. Ich glaube, dass im Grunde alle Religionen (auch Atheismus) die große Wahrheit nur von einer anderen Seite beleuchten und wir im Kern einander respektieren und annehmen sollten – das ist der wirklich wahre Sinn des Lebens, dies zu lernen ohne anderen die eigenen Überzeugungen überstülpen zu wollen.

Und da schließt sich der Kreis zur Esoterik – den Begriff betrachte ich skeptisch. Klar, Bücher über Hexenkunst finden sich in der Esoterik- Ecke. Esoterik bedeutet ja, dass ein Wissen nur einem inneren Personenkreis zugänglich ist – und damit öffnet der Begriff Tür und Tor für alle möglichen „Seelenfänger“, die Menschen gezielt von ihren Lehren abhängig machen. Schon immer war mir klar – meinen Weg kann ich nur allein gestalten, es gibt hier und da Menschen oder Seelen, die mich wieder in die Spur bringen – aber ich treffe die Entscheidungen und muss die Erkenntnisse erlangen. Und nicht einem Guru immer wieder Geld zahlen, damit er mir die Karte für das nächste Wegstück mitgibt. Von daher bin ich froh, wenn die Freunde, denen ich über einen Verlust oder eine Trennung hinweg geholfen habe, irgendwann wieder vergessen und weiter ziehen – dann weiß ich, ich habe alles richtig gemacht.

So begreife ich dann auch alternative Medizin nicht als tatsächliche Alternative – die Begegnung mit dem Buddhismus hat mir verinnerlicht, dass es immer auf das richtige Maß ankommt. Normale Erkältung – kann ich mit zum Arzt, muss aber nicht unbedingt. Krank – ab zum Arzt, Medikamente geben lassen – mein Kräuter Wissen kann ich dann als Ergänzung nutzen. Schulmedizin und Naturmedizin sollten mehr miteinander arbeiten und sich nicht als Entweder/ Oder ausschließen. Und so möchte ich auch nicht in den Sumpf der Corona- Leugner mit einbezogen werden – ich stehe gerade da und bin erschüttert, wie viele meiner „alternativen“ Freunde gerade völlig assoziales Verhalten an den Tag legen. „Die Maske schützt andere, nicht mich? – Dann brauche ich sie ja nicht tragen. „ Mir fehlt dafür jegliches Verständnis- klar ist ein Schnutenpulli unangenehm, aber wenn die derzeitige Erkenntnis dies als beste Maßnahme erachtet, dann ist es derzeit einfach angebracht, mit dem Tragen der Maske seine Solidarität zu zeigen.

Ich derweil freue mich, dass Mutter Natur uns mal auf unsere Zimmer geschickt hat zum Nachdenken. Und das wir so viele Wissenschaftler und mutige Entscheidungsträger haben, so dass die Pandemie effektiv eingedämmt werden kann. Eines der Hexengesetze lautet nämlich: „Wende Dein Wissen weise an“.

Man darf anderer Meinung sein – aber wenn diese Meinung gefährlich für andere ist, eckt man damit eben an. Meinungsfreiheit bedeutet, seine Meinung aussprechen zu dürfen – nicht, dass diese auch von allen bestätigt werden muss. Und – es gibt keine alternativen Fakten. Sehr schön hat das Mailab hier erklärt (und ich fasse auch nicht, dass ich ein Video teile, für das der Wendler Inspiration war).

Meinungsfreiheit – gut erklärt 🙂

Was kann ich am Ende eines so langen Eintrags über mich noch sagen. Vielen Dank an alle, die bis hierher gelesen haben. So viel geschrieben und gefühlt noch so wenig erzählt – ich denke, hier wird noch mehr folgen. Habt Ihr Fragen oder Wünsche, über welchen Aspekt ich genau schreiben soll? Bleibt alle gesund und macht das beste aus dem kosmischen Hausarrest 😉

In diesem Sinne, be blessed, Keya

* Nein, ich halte mich nicht für „praktisch perfekt in jeder Hinsicht“ (eher oft genau das Gegenteil) – aber ich fühle mich genauso unnahbar wie die von Julie Andrews so wundervoll porträtierte Mary Poppins aus dem Jahr 1964. Und irgendwie war es in den letzten Jahren oft meine Aufgabe, Menschen wieder auf die Spur zu bringen und Ihnen dann nachzusehen, während sie mich vergessen.

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