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Schlagwort: Toleranz

Samhain – bitte was?

So oder so ähnlich sind die Reaktionen, wenn ich sage, wir (ich und meine Familie dann auch) feiern am 31.10.2020 Samhain (sprich britisch „sawn“ oder amerikanisch „saa·wn“).

So ähnlich reagiere ich aber auch manchmal über die Gerüchte, die gerade von christlichen Freunden kommen, die sich über den „rüberschwappenden Halloween- Trend“ aufregen. Dies Jahr habe ich diesen Blog und da es thematisch passt, kann ich also meine Meinung und Ansichten zu diesem Fest hier aufschreiben – und dann diesen Artikel in etwaigen Facebook- Kommentaren verlinken. Aber alles der Reihe nach. Ich werde mehrere Artikel dazu schreiben, um es nicht zu langatmig werden zu lassen.

Zunächst wäre vielleicht ein Artikel über das Rad des Jahres an sich passend als Einstieg gewesen – reiche ich nach, versprochen. So passt sich das aber auch, denn Samhain beginnt das Rad des Jahres von vorn. Es markiert also für alle, die die Jahreskreisfeste feiern, den Anfang eines neuen Zyklus.

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Die Ursprünge des Festes gehen auf die Kelten zurück – zu den heutigen Bräuchen und Feiern habe ich bereits einen Artikel verfasst. Die Kelten waren eine Volksgruppe in der Antike, die an Hand bekannter archäologischer Funde eine ausgeprägte Kultur und eine hochentwickelte soziale Kultur hatten. Heute denken die meisten bei den Kelten wahrscheinlich an die britischen Inseln, wenn sie gefragt werden, wo die Kelten den lebten. Tatsächlich verbreiteten sich die Kelten in Wanderungen mit der Zeit jedoch auch in ganz Europa und kamen mit den etruskischen, griechische, thrakische, skythischen und germanischen Kulturkreisen sowie mit den Römern in Kontakt. Mit allen genannten Kulturen haben die Kelten offenbar Handel betrieben, wie sich aus archäologischen Funden ableiten lässt. 

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Tatsächlich lässt sich das heutige Halloween, das mehr und mehr aus Amerika zu uns kommt, in seinen Ursprüngen bis zum keltischen Samhain zurückverfolgen. Allerdings sind die heutigen Halloweenbräuche keine kontinuierliche Entwicklung der keltischen Bräuche, denn wir wissen nichts Genaues bzw. sehr wenig über die religiösen Praktiken der Kelten im Detail – dazu kommt ein eigener Beitrag, da ich hier noch versuche, verlässliche Literatur zu bekommen. Eben dies lässt jedoch sehr viel Raum für Spekulationen – Jahr für Jahr werden daher auch in meinem Bekanntenkreis Sharepics geteilt, auf denen vor Halloween gewarnt wird, weil die Kelten Menschen-/Kinderopfer zu Samhain dargebracht haben oder aber Hexen an Halloween ihren satanischen Ritualen frönen. Da wird jetzt soviel in einen Topf geschmissen, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll (und ob man Ostern noch feiern darf).

Des Weiteren sorgen sich viele um die Tradition der Martinsumzüge – in Deutschland gehen Kinder am oder am Wochenende nach dem Martinstag von Tür zu Tür, singen das Martinslied und bekommen dafür Süßigkeiten. Das an Halloween übliche „Trick or Treat“ mutet bei diesen besorgten Mitmenschen als „Erpressung“ an (auch zur Herkunft dieser Tradition in einem weiteren Beitrag mehr). So werden dann Kinder an Halloween wieder weg geschickt mit Verweis auf das Martinsfest, da dies im Gegensatz zu Halloween einen Sinn vermittelt – nämlich gelebte Großzügigkeit. So sehr ich die Kommerzialisierung von Halloween ebenfalls nicht gutheiße – für mich hat es da aber doch einen Sinn. Es hält der Gesellschaft den Spiegel vor. Großzügigkeit heißt: „Bedingslos und freiwillig abgeben“ – und nicht erwarten, dass der Beschenkte sich an auferlegte Regeln hält. Ich kann mich bei der Martinssage nicht erinnern, dass Martin erst gefragt hat, welche Religion der Bettler hatte, dem er ganz großzügig einen halben Mantel abgab (er hatte bestimmt mehrere ganze im Schrank und wahrscheinlich auch eine Decke oder ähnliches dabei, wenn er zu Pferd reiste).

Ich möchte kein Religionsbashing betreiben – aber ihr seht, wenn ihr jemanden befragt, der von außen auf eine Religion sieht, kommt selten ein rein positives Bild dabei raus. Das sollte uns auch bei den Berichten über die Kelten im Gedächtnis bleiben, denn die Berichte über Menschenopfer stammen nicht von den Kelten selbst – sondern wurden z.B. von keinem geringeren als Julius Caesar – das der liebe Julius vielleicht ein wenig übertrieben hat, weil es sich bei den Schriften um Kriegspropaganda handelt, mag sein. Ganz aus der Luft gegriffen haben werden die antiken Autoren ihre Berichte nicht – jedoch beim Werk „De Bello Gallico“ ist nicht einmal sicher, ob Caesar alle Teile selbst geschrieben hat oder jemand im Nachhinein ergänzt hat (im Lateinunterricht habe ich dieses Werk lesen müssen und ich erinnere mich an eine witzige Passage, in der Caesar – so er diesen Part selbst geschrieben hat – Elche beschreibt).

Gibt man „Halloween Kinder“ bei youtube ein, findet man neben Deko- und Verkleidungstipps auch sehr viel Content, der vor Halloween warnt. Das meiste kommt von Accounts, die bereits Kirche im Namen tragen – oder von besorgten Muttis (ich bin auch ab und an eine, wir neigen echt dazu, überzureagieren), die eben auf die Kinderopfer bei den Kelten hinweisen. Als Quelle – Caesars „De Bello Gallico“, Strabon, Diodor und Cicero (man bemerke, alles Römer/ Griechen) und ein Fund bei einer Ausgrabung am „Hill of Ward“, bei dem angeblich ein geopfertes Babyskelett entdeckt wurde – spannend dabei, dass die Archäologen vor Ort sich nicht sicher ist, ob es sich um ein Opfer gehalten hat – denn das Skelett war sorgfältig beerdigt worden, weist keine Anzeichen von Gewalteinwirkung auf und auch sonst gibt es laut diesem Bericht überhaupt wenige archäologische Belege für Menschenopfer – der jüngsten Bericht, den ich dazu gefunden habe, stammt aus 2014 und laut Universität ging die Ausgrabung nur von 2014-2015. Zwar spricht auch der Keltologe Helmut Birkhan von Menschenopfern bei den Kelten – aber wir wissen einfach nicht genug, um diese Praktiken sicher mit Samhain in Verbindung zu bringen.

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Zusätzlich muss man sich ins Gedächtnis rufen – die Kelten waren eine weit verbreitete Volksgruppe und die Römer kamen hauptsächlich in Kontakt mit den Galliern – Halloween entwickelte sich aber im frühen Christentum in Irland und Schottland. Da jeder keltische Stamm ein wenig eigene Bräuche pflegte, lassen sich Berichte über Menschenopfer aus römischer Quelle nicht ohne Weiteres auf die britischen Stämme übertragen – und selbst wenn, die Ursprünge der Halloweenbräuche sind eindeutig christlich, wie hier beschrieben. Somit ist Samhain ein Fest, das vermutlich irgendwann durch Halloween ersetzt wurde – aber außer dem Datum vielleicht doch gar nicht so viel mit Halloween gemeinsam hatte?

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Also, so richtig handfeste Beweise haben weder die Halloween-„Hater“ noch ich gefunden bzw. die Wertung der möglichen Menschenopfer und deren Zusammenhang mit Samhain ist eben davon abhängig, ob man Argumente für oder gegen Samhain/Halloween sucht – wenn wir aber einmal die Bibel betrachten, dann gibt es auch hier Hinweise bzw. konkrete Erzählungen möglicher Menschenopfer. Trotzdem hinterfragen wir ja nicht deswegen alle christlichen Feiertage, oder? Wenn ihr nun interessiert seid, welchen Sinn Samhain nun für heutige heidnische Religionen hat, dann habe ich es versucht, es hier zusammenzufassen. Ich würde mich freuen, wenn ihr danach versteht, warum es für viele von uns wirklich einer der wichtigsten Feiertage im Jahr ist.

Wer sich über den Spuk und Grusel an Halloween beschwert – dieser ist vermutlich durch Vermischung mit dem christlichen Glauben entstanden und war nicht Bestandteil des ursprünglichen Samhain. Die Industrie hat entdeckt, wie gut sich damit Geld machen lässt und der Konsum höhlt den Feiertag aus und lässt ein sinnentlehrtes Spektakel übrig (Anmerkung: passiert in den letzten Jahren aber auch mit Weihnachten, dass zur Konsumschlacht ausartet). Wer jetzt Hexen und „satanische“ Kulte zusammenwirft und Halloween dazu in Beziehung setzt, der schmeißt unterschiedliche Dinge in den Kessel und wundert sich, was dabei raus kommt.

Mein Altar zur Samhain Zeit

Fakt ist, es gibt moderne Hexen – jedoch ist Hexe sein ein spiritueller Pfad, den man geht und völlig unabhängig von einer Religion. Es gibt Hexen (übrigens männlich, weiblich, divers ;)), die dem christlichen Glauben angehören. Daneben gibt es Wicca, eine Religion, die oft mit dem englischen „Witch“ gleichgesetzt wird, was aber aus o.g. Grund nicht ganz korrekt ist. Denn eine Hexe kann jeder beliebigen Religion angehören, aber auch einfach nur die Natur als Ganzheit verstehen oder sogar atheistisch sein. Satan oder der Teufel existiert nur im christlichen Glauben – wer aufgepasst hat weiß, dass es auch Hexen geben kann, die Satan verehren – aber dann gehören sie auch noch nicht zwangsläufig dem (modernen) Satanismus an. Dies ist ein Fakt, den ich bis vor 2 Jahren selbst noch nicht wusste – ich verdanke dieses Wissen einer Neuverfilmung einer Hexe, die meinen bürgerlichen Vornamen trägt.

Anfang November 2018 gab es Schlagzeilen, dass der Satanic Temple Netflix für die Verwendung einer Statue von Baphomet in der Serie „The chilling adventures of Sabrina“ verklagte. Die Statue wird dabei in der klischeehaft dargestellten Kirche der Nacht verwendet, die alle Vorurteile des Satanismus bedient, die wir aus einschlägigen Horrorfilmen kennen. Satanismus war jedoch selten tatsächlich Anbetung von Satan, sondern als Protestbewegung gegen strenge kirchliche Doktrinen des Christentums gemeint. Und auch der 2013 gegründete Satanic Temple glaubt nicht an einen real existierenden Teufel, sondern sieht ihn als Symbol der Freiheit und Individualität – Okkultismus und Esoterik wird sogar von der Bewegung abgelehnt, stattdessen geht es um politischen Aktivismus und ein humanistisches Menschenbild (vgl. hier). Und seitdem schäme ich mich für mein bis zu dieser Erkenntnis wirklich dunkles Bild über Satanismus – niemand ist frei von Vorurteilen, Lektion gelernt.

Da Samhain ja Hexenneujahr ist, ist es auch eine Zeit, über Vorsätze nachzudenken. Ich hätte ein paar Vorschläge für uns alle:

  • Du magst Halloween nicht – macht nichts, der Grinch mag Weihnachten nicht – trotzdem ist es uncool, allen anderen den Spaß zu verderben
  • Seid offen und frei von Vorurteilen – dein Nachbar feiert andere Feiertage als Du? Lass es Dir erklären. Feiert gemeinsam – das Leben ist eh viel zu kurz
  • Du magst einem Kind keine Süßigkeiten geben, weil es am falschen Tag danach fragt? Es ist nicht Dein Kind – Du bist nicht für die Erziehung verantwortlich. Du solltest Dir überlegen, was es über Dich aussagt, wenn Du nichts gibst, weil Du Dich von der Bitte nach Süßigkeiten angegriffen fühlst
  • Recherchiere, bevor Du Dir eine Meinung über andere Religionen bildest – am Besten, indem Du Berichte von Beteiligten liest oder besser noch mit ihnen sprichst. Gerade Autoren mit gegenteiliger Religionszugehörigkeit fällt es oft schwer, objektiv zu berichten
  • Ebenso, wie Du nicht Halloween feiern musst, müssen Traditionen nicht auf Biegen und Brechen aufrecht erhalten werden. Gerade Feiertage erben wir meist von unseren Vorfahren/ Ahnen – verändern sie aber meist selbst ein wenig und geben sie so an unsere Kinder weiter – das ist o.k. Wichtig ist, dass der Feiertag den Feiernden etwas bedeutet – er muss nicht vom Nachbarn verstanden, jedoch akzeptiert werden – ggf. die Feiertage der jeweiligen anderen Kultur zusammen feiern, s.o.
  • Lasst uns alle vor der eigenen Haustür kehren – dann wird es sauberer 🙂

Nochmal – mir geht es nicht darum, irgendeine Kultur oder Religion als überlegen darzustellen. Ich selbst bin evangelisch-lutherisch getauft und nachdem ich als junge Frau aus der Kirche ausgetreten bin sogar vor mehr als 10 Jahren wieder eingetreten – weil ich die Gemeinde in meinem kleinen Wohnort als Bereicherung erlebe. Meine Kinder gehen „St. Martins Singen“ – an Halloween haben sie eh keine Zeit, da feiern wir Samhain. Gern aber auch mit Verkleidung, wenn die Kinder es so wollen. Und wenn ihr einen Feiertag streichen wollt, dann fangt bitte bei den eigenen an – alles andere greift in die Freiheit anderer ein. Macht Euch eine tolle Zeit.

Be blessed, Keya

P.S.

Man steckte sie in Tierfelle und ließ sie von Hunden zerfleischen, man schlug sie ans Kreuz oder zündete sie an und ließ sie nach Einbruch der Dunkelheit als Fackeln brennen.

Tacitus über die Christenverfolgung unter Nero

Während Christen unter Caesar weitestgehend Religionsfreiheit genossen, wurden sie zu späteren Zeiten verfolgt und zum Teil öffentlich hingerichtet oder in öffentlichen Spielen zur Volksbelustigung getötet. Später wurde das Christentum Staatsreligion. Praktiken wie Religionen, Hintrichtungen und Menschenopfer lassen sich also nicht immer einwandfrei einer gesamten Kultur/ Volksgruppe zuordnen, da sie einem stetigen Wandel unterliegen – daher lasst uns aus Fehlern der Vergangenheit lernen, im Hier und Jetzt leben und die Zukunft für uns alles besser gestalten.

Wie aus Samhain Halloween wurde

Halloween ist unter den Feiertagen ja so ein bisschen, wie der Tod im Tarot – von vielen zutiefst missverstanden und deswegen gefürchtet und von denen, die dahinter blicken, innig geliebt. Und von Kindern natürlich geliebt, weil Verkleiden, kontrolliertes Gruseln und Süßigkeiten sammeln natürlich total Spaß machen.

Hier habe ich schon etwas zu den keltischen Ursprüngen von Samhain erzählt und dann die Bedeutung und die Bräuche, die von vielen neupaganen Religionen bis heute gepflegt werden, erklärt. Tatsächlich ist es eines der wichtigsten Feste im Jahreskreis, wenn nicht sogar das wichtigste. Leider ist es in unseren Breitengraden ziemlich befremdlich, den Tod zu feiern. Unsere Gesellschaft hat den Tod tabuisiert und unsichtbar gemacht. Das Sterben wird ausgeklammert und macht daher vielen sehr viel Angst.

Photo by Andrés Gómez on Unsplash

Tatsächlich habe ich jahrelang Probleme gehabt (und habe sie noch, auch wenn es besser wird), den Tod geliebter Personen zu verarbeiten – z.T., weil die Gesellschaft einen zwingt, sofort weiter zu machen, als sei nichts gewesen. Mir hilft diese Zeit im Jahr, mich daran zu erinnern, dass der Tod Teil des Leben ist. Und das geliebte Seelen nie ganz von uns gehen.

Wie in meinem Beitrag über Samhain bereits erwähnt, gehen die Ursprünge des Festes auf die Kelten zurück. Nun gibt es durch die weite Verbreitung der Kelten und deren Leben in Stämmen eigentlich nicht „die Kelten“. ( Wusstet Ihr, das Gallier nur die römische Bezeichnung für einen keltischen Stamm war – genau, Asterix war Kelte). Ebenso ist eine kontinuierliche Entwicklung der Halloweenbräuche aus keltischen Traditionen nicht belegt. Zwar feiern heute die neu-paganen Religionen Samhain als Fest zum Totengedenken, bei den Kelten war Samhain aber eher ein Erntedankfest und der Abschied vom Sommer.

Halloween geht aus irischen Traditionen hervor, also aus den Brauchtümern der „Inselkelten“ in Irland (und vielleicht auch Schottland). Dort haben die Brauchtümer besonders bei der Dorfbevölkerung überlebt und wurden auch noch gefeiert, als das Christentum begann. Früheste Belege, dass die christlichen Organisationen versuchten, solche heidnischen Bräuche abzuschaffen, existieren aus dem 8. Jahrhundert.

Kurzdokumentation von National Geographic

Oft wird darauf verwiesen, das Wort Halloween stamme von „All Hallowes‘ Eve“, dem Abend vor Allerheiligen. Auch das ist umstritten – den ursprünglich war Allerheiligen gar nicht im November, sondern wurde am 13.5. gefeiert – der Tag an dem Papst Bonifatius IV. das römische Pantheon zu einer Kirche zu Ehren der Jungfrau Maria und aller Heiligen weihte. Später weihte Papst Gregor III. eine weitere Kapelle allen Heiligen – am 1. November, der somit in Rom Feiertag für die Heiligen wurde. Dieser wurde erst von Gregor IV. in den römischen Generalkalender übernommen.

Einen Tag nach aller Heiligen wird Allerseelen gefeiert, das auf den Abt Odilo von Cluny zurück geht. Hier gedenken Katholiken ihren verstorbenen Seelen im Fegefeuer, wodurch deren Zeit im Fegefeuer verkürzt werden soll.

Allerheiligen und Halloween

Das der Spuk und Grusel nicht auf keltische Traditionen zurück geht, macht auch Sinn, denn das Konzept des Bösen ist im christlichen Glauben relativ einzigartig. Das Konzept, Seelen nach ihren Taten in Himmel und Hölle aufzuteilen und auch das Büßen im Fegefeuer sowie das Konzept des Teufels ist in anderen Religionen in diesem Umfang nicht üblich. Wenn heidnische Religionen also an Samhain feiern, dass der Schleier zur Anderswelt dünner und somit die Kommunikation mit den Ahnen möglich ist, dann passt das nicht in das christliche Konzept und aus den Seelen der Ahnen werden Zombies und andere Spukgestalten.

Gerade in Irland (und Schottland), die zwar früh christianisiert wurden, aber einen Teil ihrer Mythen und „Aberglauben“ gerade in der Dorfbevölkerung behielten, wurden die Halloweennacht ausgelassen gefeiert. Dort gibt es Überlieferungen, dass Freudenfeuer und Wahrsagerei von den kirchlichen Stellen untersagt wurden, da die Nacht zur Unruhenacht ausartete. Hier in Europa wurden bereits Laternen aus Gemüse geschnitzt – aus Rüben, die erst später in Amerika durch die dort vorhandenen Kürbisse ersetzt wurden.

Photo by Daniel Lincoln on Unsplash

Die sogenannten Jack O’Lanterns gehen der Sage nach auf den Hufschmied Jack Oldflield (Stingy Jack/ Drunk Jack) zurück.

Jack saß in der Dorfkneipe, als der Teufel ihn holen wollte. Er feilschte mit dem Teufel um einen letzten Drink, der Teufel hatte aber keine Münze bei sich und verwandelte sich kurzer Hand selbst in eine Münze – die Jack kurzer Hand in seinen Geldbeutel legte, indem sich auch ein silbernes Kreuz befand – wodurch es dem Teufel nicht möglich war, sich zurück zu verwandeln. Jack handelte darauf hin mit dem Teufel aus, seine Seele solle noch 10 Jahre frei sein, wenn er im Gegenzug den Teufel freiließe.

Nach 10 Jahren gelang es Jack tatsächlich ein weiteres Mal, den Teufel auszutricksen – er bat als Henkersmahlzeit um einen Apfel, worauf der Teufel zum Pflücken einen Baum hinaufkletterte und nicht mehr herunterkam, da Jack diesmal ein Kreuz in den Stamm geschnitzt hatte. Dieses Mal versprach der Teufel, Jacks Seele auf Ewigkeit zu verschonen.

Als Jacks Stündlein geschlagen hatte, wurde ihm der Zutritt ins Himmelreich verwehrt, denn er war nicht gerade ein Vorbild gewesen, da er ja nicht in Angst vor dem Teufel leben musste. Als der sich dann zur Hölle aufmachte, ließ auch der Teufel ihn nicht ein – denn er hatte ja versprochen, Jacks Seele auf Ewigkeit zu verschonen. Doch der Teufel hatte Mitleid mit Jack und gab ihm eine Kohle aus dem Höllenfeuer, den dieser in eine ausgehöhlte Rübe legte, die er als Proviant dabei hatte. So wandert Jacks Seele am Vorabend zu Allerheiligen auf Ewigkeiten durch die Dunkelheit.

Legende der Jack O’Lantern

Daher werden zu Halloween die Kürbislaternen aufgestellt, um Jack den Weg auszuleuchten und Trost zu spenden. Manche sagen auch, das Licht in der Kürbislaterne würde den Teufel fern halten. An dieser Legende wird deutlich, dass die Sage zu christlichen Zeiten entstanden sein muss – denn der Teufel ist ein christliches Konzept.

Eine weitere Tradition, das sogenannte Trick or Treating, wurde ebenfalls bereits in Europa zelebriert, genauso wie die Kostümierungen an Halloween. Es gibt einige Überlieferungen, dass in Irland und Schottland von Haus zu Haus gegangen wurde und Bibelverse im Austausch für Speisen rezitiert wurden (ähnlich des deutschen Brauchs an Sankt Martin) – wenn der Hausbesitzer sich als geizig erwies, wurde auch schon einmal eine schwarze Zukunft vorausgesagt. Dies wurde in Amerika zu Trick or Treat also Süßes, sonst gibt’s Sauers abgekürzt. Ähnlich wie deutsche Bräuche des „Maibaum- Klauens“ sollte es sich dabei natürlich um harmlose Streiche handeln – leider eskalieren solche Streiche dann aber ab und an.

Es bleibt dabei – entweder man liebt Halloween oder man hasst es. Viele sehen aber leider nur die kommerzialisierte Hülle, die nun von Amerika von uns zurück kommt – oder aber, erfahren kleine Hintergrunddetails über die Kelten und dichten viele negative Dinge hinzu. Für mich war Samhain, wie es heute z.B. von den Wicca begangen wird, ein fehlendes Glied in der ganzen Feiertagsreihe. Ich komme aus einer evangelisch geprägten Region – wir feiern alles mögliche, aber haben keinen Tag, an unsere Ahnen zu denken, außer vielleicht Volkstrauertag, der aber eher Gedenktag für Gefallene ist. Halloween war für mich zu Beginn eine Art, mein Samhain mit meinen Freunden verbringen zu können, ohne das diese große Berührungsängste hatten – kostümieren, Süßigkeiten essen und kontrolliert gruseln macht schließlich Spaß.

Photo by Paige Cody on Unsplash

Ein wirklich freudiger Tag war für mich, als der Reformationstag ein Feiertag bei uns in Niedersachsen wurde – so habe ich nun an dem für mich wichtigsten Feiertag frei. Ich freue mich einerseits über wachsende Halloweenbegeisterung – denn sie führt dazu, dass viel mehr Menschen sich mit Samhain beschäftigen (und hoffentlich weiter kommen als bis zu dem gefährlichen Halbwissen über die keltischen Bräuche, hierzu in diesem Post mehr). Durch Information, Austausch und Verständigung passiert soviel Verständigung zwischen verschiedenen Ansichten und Religion, dass es sich positiv für unsere Zukunft auswirkt. Auf der anderen Seite führt die Kommerzialisierung und die Ablehnung dieses „amerikanischen Kram“ zu verhärteten Fronten und zu weiteren Verletzungen durch unsensibles Verhalten.

Bitte bedenkt – Feiertage leben von der Bedeutung für die Feiernden, bitte seid so gut und:

  • tragt keine Kostüme, die Stereotypen bedienen (z.B. Indianer)
  • akzeptiert, dass euer Nachbar andere Feiertage feiert als ihr
  • respektiert gerade Feiertage wie z.B. Samhain für die Neuheiden und den Dia de los Muertos in Mexiko – diese scheinen recht ähnlich/zeitgleich zu Halloween stattzufinden, haben aber gerade für die Feiernden eine sehr tiefe, persönliche Bedeutung

Wie sieht es denn bei Euch aus – Team Halloween oder Team Anti- Halloween? Schreibt gern Eure Beweggründe, Bedenken oder Gedanken dazu in die Kommentare. Wenn ihr feiert – wie feiert ihr dann?

Egal, was ihr in dieser Zeit feiert – macht Euch eine tolle Zeit. Be blessed, Keya

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