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Schlagwort: Druiden

Das Julfest – die dunkelste Nacht des Jahres

Nach Samhain ist das nächste Fest im Jahreskreis das Julfest oder Jul. Oft sieht man auch die Schreibweise Yule – besonders im englischsprachigen Raum und dort auch in Weihnachtsliedern:

Have yourself a merry little Christmas, make the Yuletide gay.

Hugh Martin und Ralph Blane

Das Oxford Dictionary erklärt, Yuletide sei ein archaischer Ausdruck für Weihnachten – und tatsächlich hängen diese beiden Feste auch zusammen. Wie genau weiß man zwar heute nicht mehr ganz genau, ähnlich wie bei Samhain und Halloween gibt es diverse Theorien. Beide feste haben jedoch einen ähnlichen Anlass und ähnliche Traditionen. In einigen skandinavischen Ländern heißt Weihnachten auch tatsächlich Jul.

Jul wird zur Wintersonnenwende gefeiert. Der astrologische Zeitpunkt ist der Wechsel der Sonne von Schütze zu Steinbock (1° Steinbock). Als fixer Termin wird daher meist der 21.12. genannt. Die Wintersonnenwende ist die längste Nacht des Jahres – ab nun werden die Tage wieder länger und die Nächte kürzer. Das Licht kommt wieder, d.h. der an Samhain gestorbene Gott wird durch die Göttin wiedergeboren. Jul ist sinnbildlich die Wiederkehr allen neuen Lebens.

Viele Kulturen haben zu dieser Zeit die (Wieder-) Geburt des Gottes gefeiert, z.B. im römischen Sol Invictus (Mithras) Kult wurde die Geburt des Lichtgottes vermutlich am 25.12. gefeiert. Dieser Termin wurde später angeblich von den Christen als Geburt Jesu überno men, da die frühen Christen angeblich viele Parallelen zwischen dem Sonnengott und Jesus sahen. Der Tag ist seit 336 n. Chr. ein kirchlich belegter Feiertag.

Jul ist auch in den paganen Religionen das Fest der Familie. Es symbolisiert den Zusammenhalt in dunkler Nacht und erinnert uns, dass alles ewig währt. Es gibt Hoffnung in der dunkelsten Zeit des Jahres.

Um die Unsterblichkeit zu symbolisieren, wird das Haus mit dem immergrünen Julbaum oder Julbüschel (als Zweige oder Kränze) dekoriert. Dazu werden überall Kerzen und Lichter aufgestellt, die das wiedergeborene Licht präsentieren. Die traditionellen Farben zur Dekoration sind daher grün (Erde, Natur und Hoffnung), gold (Licht, der Gott) und rot (Leben, Geburt, das Blut der Göttin).

Als Symbole dienen neben immergrünen Pflanzenteilen wie o.g. Kerzen oder aber auch ein Rad als Symbol des Jahresrades – denn das Wort Jul bedeutet Rad oder Kreislauf. Sehr schön kann man daher auch getrocknete Orangenscheiben verwenden. Als Opfer eignen sich Glühwein oder Gewürzgebäck (oder eben die kinderfreundliche Variante Milch und Kekse).

Wer räuchern möchte, der kann auf jedes würziges Räucherwerk zurückgreifen: Rosmarin, Zeder, Kiefer, Lorbeer, Tanne, Zimt, Weihrauch, Myhrre und Salbei. Wer einen Kamin hat, der kann einen Julblock verbrennen – traditionell wurde an Jul ein Feuer mit einem lange brennenden Holzblock angezündet, dass mindestens 12 Stunden brennen sollte. Wer keinen Kamin hat, der kann einen Julblock dekorieren und mit Kerzen schmücken und symbolisch als Tischschmuck verwenden (ähnlich wie dem christlichen Adventskranz).

Ritualthemen an Jul sind neben Wiedergeburt auch Schutz und Segen für sich selbst und seine Lieben. Als Edelsteine zur Unterstützung können Malachite, grüner Aventurin und Rubin genutzt werden.

Das Festessen darf deftig sein. Meine Favoriten sind Drei- Nuß- oder Linsenbraten oder Mock- Duck à l’orange. An Naschereien eignen sich Nüsse, Äpfel, Obstkuchen und Apfelsinen.

Der Vollständigkeit halber – andere Namen für Jul sind Jolablót (Julopfer), Sonarblót (Eberopfer) oder Midvertblót (Mittwinteropfer), Modraniht oder Alban Arthuan (Licht von Arthur).

Während bei den Kelten Samhain als Beginn des Jahres gesehen wurde, war bei den Germanen Modraniht, die Nacht der Mütter mit den folgenden Nächten die Zeit des Jahreswechsel. Als Symbol wurden am Julabend alle Lichter gelöscht und am Feuer des Julblock neu entzündet. An Jul und den folgenden Rauhnächten durfte das Rad des Jahres nicht durch das Drehen eines anderen Rades gestört werden – Pflug, Spinnrad, Schubkarre und andere Gerätschaften durften in dieser Zeit nicht bewegt werden. Zu den Rauhnächten folgt aber noch ein gesonderter Artikel.

Erzählt doch mal – was feiert Ihr? Jul, Weihnachten oder beides? Was sind Eure Traditionen? Und wie feiert Ihr 2020 in dieser wirklich besonderen Situation durch Covid 19? Ich wünsche Euch eine schöne, besinnliche Zeit, lasst uns das Beste daraus machen. Be blessed, Keya

P.S. – wer sich über einen kleinen musikalischen Adventskalender freut und nichts gegen den ein oder anderen falschen Ton hat, kann mir auf Instagram lauschen, diesen Account hatte ich für musikalische Unterstützung meiner Lieben in der Coronazeit eingerichtet.

Samhain – Beginn des Jahresrad

Samhain (sprich „Sau-in“) geht auf keltische Traditionen zurück und wird heute von vielen neupaganen Religionen wie Wicca, Heiden oder Druiden gefeiert. Samhain ist das erste der 8 Feste des Jahreskreises und ist das letzte der insgesamt 3 Erntedankfesten im Jahreszyklus.

Es gibt verschiedene überlieferte Daten, an denen die Samhain- Nacht gefeiert werden kann – traditionell wären es der 11. Neumond des Jahres oder aber die Nacht, in der die Sonne 15° Skorpion erreicht – üblicherweise wird Samhain aber in der Nacht vom 31.10. zum 1.11. gefeiert.

Samhain hat je nach Tradition und Region unterschiedliche Namen – so ist es vielen als Halloween bekannt, darüber hinaus finden sich auch noch weitere Bezeichnungen: Drittes Ertnefest, Apfelfest, Samana, Hallowmas, Nacht der Vorfahren, Fest der Toten. Bei den Germanen hieß das vergleichbare Fest Vetrnóttablót, das Winternachtopfer.

Samhain bedeutet Sommerende – die Kelten kannten vermutlich nur 2 Jahreszeiten, Sommer (Beltane-Samhain) und Winter (Samhain-Beltane). Samhain symbolisiert den Abschied vom Gott. Geweiht ist das Fest dem sterbenden Gott (wenn nur mit Gott und Göttin gearbeitet wird) oder aber allen Göttern der Unterwelt und der Erneuerung.

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An Samhain ist der Schleier zur Anderswelt besonders dünn, so dass uns unsere Ahnen, aber auch die Wesen der Anderswelt, Kobolde, Gespenster und Dämonen, besuchen können. In den meisten paganen Religionen werden die Wesen der Anderswelt nicht als böse angesehen, ebenso ist die Anderswelt nicht wie Himmel und Hölle im Christentum zu verstehen, sondern als Ort des Übergangs und der Transformation. Im Wicca wird dieser Ort auch „Summerland“ genannt, der Ort, an den die Seelen gehen zwischen ihren Inkarnationen auf der Welt.

Wir ehren unsere Ahnen an Samhain, indem wir für sie einen Platz decken und diesen frei lassen, denn durch unser Gedenken leben die Verstorbenen weiter. Oft gibt es auch die Tradition des „Dumb Supper“ – das stille Mahl. Hier wird zu Ehren der Verstorbenen nicht während des Essens geredet. An Samhain wird so die Brücke geschlagen – es erinnert uns, dass ohne Tod kein Leben und ohne Abschied kein Wiedersehen möglich wäre.

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Ähnlich der Ofrenda am Dia de Muertos in Mexico können wir zu Ehren unserer Ahnen auch Bilder von ihnen auf unserem Altar oder Schrein aufstellen und mit Efeu (als Symbol für die Ewigkeit) und Chrysanthemen schmücken. Als weiterer Altarschmuck eignen sich Äpfel, Nüsse, Eibenzweige, Maiskolben und buntes Herbstlaub.

Da Samhain den Beginn des neuen Zyklus markiert, ist nun die Zeit, um das vergangene Jahr zu reflektieren – was wurde erreicht, was soll verbessert werden. So kann man z.B. schon in der Zeit vor der Samhain- Nacht alles auf kleine Zettel/ Pergamentstücke schreiben und in einem Glas auf dem Altar sammeln – diese Zettel verbrennt man dann symbolisch in der Samhain Nacht im Feuer oder in einer kleinen Schale.

Ein weiterer Brauch ist, um Mitternacht eine orangefarbene Kerze zu entzünden und diese bis zum Morgen brennen zu lassen – dies soll Glück im neuen Jahr bringen.

Die Dekoration (Kerzen und Bänder) gestalten wir traditionell in den Farben schwarz (Wiedergeburt, Unendlichkeit, Trennung), orange (Hindernisse überwinden, Aufmunterung und Trost) und braun (Sicherheit, Naturmagie). Als Pflanzen eignen sich Eibe, Efeu, Heidekraut sowie späte Früchte wie Äpfel, Kürbis, Nüsse, Vogelbeeren, Schlehen und Holunder und späte Blüten, z.B. Aster, Chryasntheme, Ringelblume, Herbstzeitlose und Disteln.

Das traditionelle Festmahl besteht aus deftigen Speisen wie Kartoffeln, Kohl, Spinat, Maronen, Kürbis und Mais. Oft wird auch ein sogenanntes „Seelenbrot“ gereicht. In Irland gibt es auch die Tradition des Bramback – ein süßer Hefekuchen mit Trockenfrüchten, in den kleine Gegenstände eingebacken werden – diese symbolisieren die Zukunft des Finders, wer z.B. den Ring in seinem Stück hat, wird im folgenden Jahr heiraten. Eine ähnliche Tradition wie das Bleigießen an Silvester. Natürlich geht auch jede andere Divinationstechnik wie Tarot, Runen, Pendeln oder auch das Hexenbrett (für Mutige?) – diese Nacht ist wie gemacht dafür.

Photo by Alexia Rodriquez on Unsplash

Zum Räuchern eignen sich Wacholder, Zeder, Myrrhe, Zimt, Muskat, Salbei, Heliotrop, Apfel oder Minze. Als Edelsteine können gut Obsidian, Gagat oder Onyx in die Rituale eingebaut werden.

Hier noch ein schönes englischsprachiges Video zu den Unterschieden einer wiccan und keltischen Art, Samhain zu feiern.

Ergänzt gern in den Kommentaren, was Euch zu diesem Fest bewegt. Was sind Eure Rituale zu Samhain? Feiert ihr Samhain, Halloween oder eher nicht?

Be Blessed, Keya

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